Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
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XV. Kchabuolh, rin Mst Asrnrls, rin West drr Mrnfchljcit. Predigt am ersten Tage des Wochenfestes. M. A.l Wenn wir einen schlichten Menschen, dessen Kunstsinn roh und unentwickelt ist, wenn wir diesen in eine Sammlung von Gemälden sülftcn, dars es so sehr Wunder nehmen, daß ihm das Grelle und Schreiende besser behagt, und seine Aufmerksamkeit in höherem Grade fesselt, als die Gebilde echten künstlerischen Schaffens? Ja, oerräth es nicht schon unsererseits Mangel an Bildung, wenn wir diese rohen Urtheile verspotten, wenn wir uns nicht hineinversetzen können in die Anschauung und Gemüthsstimmnng solcher vom Hauch, der Kunst nur schwach berührten und darum ihren Offenbarungen nur wenig geöffneten Naturen? Es ist ein bekanntes Wort: der Verständige findet fast Alles lächerlich, der Vernünftige gar nichts. In der That, jener platten Verständigkeit, die nur für das Praktische Sinn hat und der nur das Nützliche etwas gilt, sind die Edelsten und Weisesten lächerlich, weil sie statt zu genießen arbeiten und sinnen und trachten, und wiederum dem Vernünftigen, der sich bemüht, die Erscheintingen aus ihre Ursachen zu verfolgen, und aus ihnen zu erklären, ist fast nichts lächerlich, denn das für den ersten Augenblick Seltsamste und Ausfälligste wird natürlich und verständlich, sobald wir erst seine Gründe erforschen und erfahren. Darum ist Jemand auslachen ein Zeichen der Unbildüng, der geistigen Unfähigkeit, aus sich herauszugehen und an dem Empfinden und Denken eines Andern theilzunehmen. Wenn der Bauer vor einem alten Gemälde, das durch die Jahrhunderte an Farbenglanz verloren hat, vor Allem den prächtigen Rahmen bewundert, und es beklagt, daß so schönes