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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
11 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 88 (sequence 94)
Language
German
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88 turnten rasch veralten; oft freilich jagt heute auch im Reiche des Geistes eine Mode die andere; aber im Allgemeinen wird es dem Alter schwer, heute in der Wissenschaft gleichen Schritt zu halten mit der fortschreitenden Jugend und Manneskraft; nur ist es geradezu empörend,!nenn vielfach hochverdienten Alten ihr Greisenthnm zum Vorwurf gemacht wird, wenn von ״greisenhaftem Geschwätz" geredet wird; das ist häßlich und verdammenswerth, ob nun solch gottlose Rede gegen Männer geschleudert wird, denen wir unser» Beifall zollen, oder gegen solche, denen wir ihn versagen. Stehen wir doch auf den Schultern der Alten; wer hätte eher ein Recht, von uns Geduld zu verlangen, als diejenigen, die soviel Geduld mit uns gehabt haben, die uns gepflegt und gebildet haben. Hier ans Erden lernt ein Geschlecht vom andern; wir erben die Weisheit der Väter; so bilden die Jahrhunderte eine unlösbare Kette, unsere Alten find unsere Lehrer, warum sollte der Schüler den Lehrer nicht zuweilen übertreffen'? Aber das ist kein weiser und kein würdiger Schüler, der den Lehrer nicht ehrfürchtet, der ist nicht würdig des ewigen Lebens, der keinen Respekt hat vor den Alten. Diese Stunde ist der Pietät geweiht; widmen wir den Lieben, die von uns gegangen sind, ein heilig Erinnern; aber vergessen wir nicht: nur der ist würdig der ewigen Seligkeit, der seine Greise ehrfürchtet. Es ist ein ^127! עולם, eine verkehrte Welt, wo das Alter zurückgedrüngt wird, und es ist ein ״ עולם בחירcs ist eine geklärte Welt", wo das Feuer der Jugend mit dem kühlen Urtheil der Alten einen Bund schließt. Wollen wir hoffen, daß sich auch uns die Pforten der Ewigkeit öffnen sollen, so müssen wir Ehrfurcht haben vor unfern Greisen und vor dem, was ihnen heilig ist. Amen!

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