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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 81

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
11 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 81 (sequence 87)
Language
German
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81 Giebt es keine Rettung vor diesen Wogen, die das Einzelleben davontragen? giebt es keinen Halt in diesem Strom der Zeit? Die Hagada, jenes wunderliche Büchlein, das der religiös gestimmte Israelit an den Passa Abenden seiner Familie vortrügt, das mit seinen lieblichen Worten und Weisen das festliche Mahl so schön umrahmt, lehrt uns einen kurzen Satz, der uns daraus eine tröstliche Antwort giebt: ״ ולפי שהוציא את עצמו מן הכלל כפר בעיקרWer von der Gesammtheit sich ausschließt, leugnet den Grund," der zerstört den Grund, ans welchem derMensch dem Schicksal Trotz bieten kann, der vernichtet den Grund alles sittlichen Lebens. 'Rach der Hagada ist es der Böse, der רשע, der sich von der Gesammtheit ausschließt, und damit ist in der That der Kern aller Bosheit getroffen. Ter Gute sagt: Ich will so leben, daß das Allgemeine dabei bestehen, ja dadurch gefördert werden kann; der Böse sagt: Den Segen der menschlichen Gemeinschast, den werde ich mir schon zu Nutze machen; aber ich denke nicht daran, durch eine Gegenleistung mir diese Vvrtheile zu verdienen. Dieser schlaue Kalkül hat nur einen Fehler, er vergißt, daß eines Tages einmal Alles anshört, und es kann unmöglich ein Wonnegesühl sein, wenn einer sich in der letzten Stunde sagen muß, das Aufhören deiner Persönlichkeit ist ein Bortheil für die Gesammtheit. Tiefsinnig sagen die Alten: צדיקים במיתתן ל,ר־ויין חיים ״Tie Gerechten heißen Lebende, auch wenn sie todt sind." Man hat von jeher die Vaterlandsliebe gefeiert, sie hat treffliche Männer zu hohen Thaten der Selbstaufopferung begeistert. Was war der Trost des Patrioten, daß er srohgemuth dem Tode entgegenschrilt? der Gedanke, ich lebe fort in dem Volke, für das ich mich opfere. Für ihn ist der Tod kein lieberschreiten in das 'Nichts, sondern ein Uebergang in die Volksseele, die ihn und seine That in ihren Besitz aufgenommen hat. Jede gute That wird ein Engel, sagen die Alten, d. h. sie gewinnt ein ewiges Leben in den unendlichen Wirkungeu. Feslpredigten 1893. 6

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