Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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die von ihr ausgehen. Das ist das Dauernde in der Flucht der Erscheinungen, die Gemeinschaft, in der wir leben, für die wir leben. Tie Einzelne lebt siebzig, wenn es hoch kommt, achtzig; ein Volk aber, eine Religionsgemeinde, vollends die Menschheit hat eine große Tauer. Was bedeutet denn dieses Passahfest, das wir Jsracliten feiern, anderes, als das Bekenntniß eines jeden Einzelnen unter uns: ich lebe nicht nur mein eigenes Dasein, sondern zugleich die drei und ein halb Jahrtausende von Aegypten bis zum heutigen Tage, ja ich hoffe eine Zukunft weit über die Grenzen meiner eng begrenzten persönlichen Existenz hinaus; ein Israelit sein das heißt ein Wesen darstellen, das sich anreiht an die große geschichtliche Existenz von Jahrtausenden und das in dieser Reihe viele kommende Tahrtausende erhofft. Darum ist es so recht, sich anzuschließen an die Gesammtheit, und es ist fast ein Selbstmord, sich von ihr loszusagen. — Der Tropfen und der Strom, — der Tropfen kann in Nichts zerfließen, der Strom bleibt. Was also lehrt uns dies Fest, das jeden Israeliten, der durch des Festes Sinnbild den eigenen Sinn bildet, anschließt an eine unendliche Reihe, die einstmals in Gosen begonnen hat und jetzt durch alle Lande, durch alle Zeiten sich fortzieht'? ״Wer sich lossagt von der Gemeinschaft, der leugnet den Grund"; die erste und nächste Gemeinschaft ist die Familie. Sorge für dein Haus, erfülle die Pflicht gegen die deinen, gegen Weib und Kind, gegen jeden, der deines Blutes ist, und wenn dein Blut erstarrt ist, so lebst du noch in dein-er Familie, in den Genossen deines Hauses, die du gefördert hast. Auch die religiöse Gemeinde ist ein Bund, der länger dauert als wir. So viele unserer Vorfahren haben diesem engem Verbände Kraft verliehen, indem sie ihm von ihrem Ueberflusse fromm gespendet haben, so manche jüdische Gemeinde lebt nicht zum geringen Theil von den Schützen, die die Varzeit ihr angehäuft hat; soll sich die Gegenwart von der Vorzeit beschämen lassen?