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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
11 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 68 (sequence 74)
Language
German
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68 (Gotteshaus wird, der Entschluß ist so schwer, sie wieder einzuführen; allmächtig ist die Gewöhnung, das Gestündniß der Uedereilung ist so beschämend, der gute Engel, der gute Trieb möchte so gerne den Reiz und Zauber der alten Bräuche erneuern, aber er kann nicht; damals, als sie zum ersten Male waren gebannt und beseitigt worden, hat er einstimmen müssen in den Ruf des Bösen, so mögen denn auch eure künftige Feste öde nnd vom Werktagsstaube bedeckt sein; nnd nur ein ganz energischer Wille, wie er Wenigen eigen, kann diesen Bann brechen, kann den Weg wieder zurückfinden zu den alten Heiligthümern. Auf den Gebieten des sittlichen Lebens ist es niemals - genug, nur das Rothwendige zu thun. Wer nicht mehr thnt, als gerade nöthig ist, dem ist das Röthige eine 'Roth; er hat keine Ahnung von dem Satze, daß der Lohn eines Gebotes nicht außerhalb, sondern in dem Gebote liegt. Der Talmud sagt: כל המבזה את המועדות כאילו ״ עובד אליליםWer die Feste gering schätzt, ist, als triebe er Götzendienst." Aber was versteht der Talmud unter einem, der die Feste gering schätzt? Einer, der sie absolut nicht beobachtet, kann nicht genieint sein, denn dafür e^istirt erstens eine andere Bezeichnung und sodann Hütte es auch keinen Sinn, ein Richtthnn, das Unterlassen frommer Handlungen mit dem Dienst der Götzen zn vergleichen. Indes; unsere Weisen verstehen unter einem, der die Feste geringschätzt, einen, der gerade das thnt, wozu unbedingt die religiöse Pflicht ihn zwingt, dem man es anmerkt, daß nicht die Liebe, sondern der Zwang, sei es äußere Rücksicht oder abergläubische Furcht, ihn treibt. Wahrlich, dem bereitet die Uebung der religiösen Satzung keinen Genuß, sondern es ist als triebe er Götzendienst; Gott, der Liebe spendet, heischt Liebe; aber dem Götzen dienen die Menschen in Aengsten nnd Schrecken. Wer nun die Feste geringschätzt, wer trüge und widerwillig die Bräuche übt, der dient dem einen Gotte, wie man Götzen dient; darum sagen die Alten: ״Wer die Feste gering achtet, der ist, als diente er Götzen."

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