Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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67 und, wie man sagt, auch an Wissen sind, uns nicht bereiten können; und wir können kaum glauben, daß man in den Hütten des Ghetto reinere Freuden gekannt hat als heute in den Prachtgebänden; ach, uns ist das würzige Kraut verloren gegangen, von dem R. Iosua redet, jene Helle Freude am Feste, die sich gar nicht genug thun konnte zum Empfang, zur Feier des würdigen Gastes. Ter Talmud sagt: Zwei Engel begleiten den Israeliten am Abend der Sabbate und der Feste vom Gotteshaus ins Wohnhaus, ein guter und ein böser Geist; findet er die Lichter angezündet, den Tisch bereitet, den Raum geschmückt, so sagt der gute Engel: Es sei Gottes Wille, daß an künftigen Sabbaten und Festen das Haus in gleicher Weise ge- - schmückt sei und der böse Engel muß gezwungen Amen sagen. Aber fehlen die festlichen Zeichen, hat ein israelitisches Haus in solch heiligen Stunden ein werktägliches Aussehen, so beginnt der böse Geist: Es sei Gottes Wille, daß an künftigen Sabbaten und Festen das Hans so nüchtern und weihelos sei wie heute und der gute Geist muß gezwungen Amen sagen. Tie Alten wollten damit andeuten: freudige und traurige, heitere und trübe, heilige und nnbeilige Stimmungen begleiten uns aus dem Wege nach unserem Heim; aber hat sich über das Haus die Weihe des Festes ausgebreitet, dann entweicht die Trauer und jener unheilige Gedanke, nur fühlen uns glücklich und fromm, als drückte uns kein Kummer, als schmerzte uns keine Wunde, als störte kein Zweifel unsere gläubige Ergebung, und wer diese Wonnen kennt und genießt, wird sie so rasch nicht ansgeben; jedes Fest, so gefeiert, ist eine Gewähr, daß diese Seligkeit, dieses wonnige Vergessen aller Roth und aller Trübung, öfters wiederkehren wird dem geweihten Hause. Tas meint der Talmud mit dem Satze: Ter böse Geist muß einstimmen in den Segenswunsch des Guten für den durch frommen Brauch geheiligten Raum; und wiederum, wo diese Weihe entschwunden ist, wo einmal nur Uebermnth und Leichtsinn die schönen und rührenden Formen gebannt hat, durch die ein jüdisches Wohnhaus zum