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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
11 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 66 (sequence 72)
Language
German
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66 das Entsetzen Erweckende daraus bilden. Das Leben aber ist vielleicht die höchste Kunst; die Dinge treten an uns heran farblos und unbestimmt und unsere Seele giebt ihnen Form und Färbung und wir sind, was wir wollen. Es wird in der Welt viel herumgestritten, ob diese Welt sehr gut oder sehr schlecht sei; aber gesetzt, es sührte uns Einer durch alle Stätten des Elends, und er brächte uns in eine armselige Hütte, wo einer kranken Mutter ihr Kind einen Labetrunk reicht und das matte Auge der Leidenden hebt sich sreundlich zur Pflegerin und das Kind schaut beseeligt diesen Glanz, der aus dem todesmüden Auge schimmert, nur mochten sagen: llm diesen einen Austausch der Liebe durste eine Welt in's Dasein gerufen merden. Wir alle, die wir länger das Leben kennen, wissen, das; wie in der Ratur der zarte Schmelz sich nur als ein leichter, rasch zerfließender Hauch über die Blumen legt, so auch alle Poesie, alle Anmuth und alle Lust des Lebens, dem Blnmenschmelz vergleichbar, von einem starken Winde verweht, von einem kalten Schauer vernichtet werden kann. Aber das ist dem Besonnenen nur eine Mahnung, die zarten Blüthen der Freude recht zu schonen, recht zu schützen; der Verständige getröstet sich in schlimmen Lagen, daß sich ja auch ans der Raupe der Schmetterling entfaltet, und nur der Thor verbittert sich freudige Stunden mit der Betrachtung, daß ja auch der Schmetterling im Grunde nur eine Raupe sei. Und so müssen wir denn auch am Feste uns ganz von den Weihen und Wonnen des Gefühls durchdringen lasseil, daß wir Gott gehören, wenn anders das Fest uns erbauen soll; wir müssen die Formen und Bräuche, die so zahlreich wie zu keiner andern Zeit dem Israeliten am Passah entgegentreten, beseelen imb verklären durch die erhöhte Stimmung der eignen Seele. Geht es vielen von uns denn anders, wie jenem römischen Kaiser? Wir haben auch einmal gehört, daß vor Zeiten unsere gequälten Väter an Sabbaten und Festen ein Glück genossen haben, das wir, trotzdem wir so viel reicher an Geld

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