Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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XI. Kabbat und Mkstk, kink Würzr ürs Mbkns. Predigt am 1. Pefzachtnge (am Sabbat). M. A.! Ein römischer Kaiser legte einst dem R. Josua die Frage vor: Es geht die Sage, die Israeliten besäßen ein würziges Kraut, und daß, wenn sie dieses an Sabbaten und Festen in ihre Speisen schütteten, das Mahl lieblicher duste und angenehmer munde, so daß ein Wohlgeschmack diesen Gerichten anhaste, den andere Völker nicht hervorbringen könnten; woher nun, fragte der Kaiser, hat diese Sage ihren Ursprung? Und R. Josua, der verständige und aufgeklärte Mann, der Feind alles Phantastischen, sagte: Das ist gar keine Sage und keine Märchen, sondern die klare Wirklichkeit; eine Würze haben die Juden, ihr Raine ist ״Sabbat", sie macht das Mahl süß und lieblich und angenehm. Tie f e st l i ch e S t i in m u n g ist es, welche den einfachen Raum wie mit hehrem Glanz erfüllt, als schauten lichte Friedensengel aus den Flammen auch der schmalen Kerzen, sie umblüht das Gemach, sie würzt das Mahl, sie führt die Freude in das Herz der Gequälten. Ueberhaupt ist es die eigene Seelenstimmung, welche der Außenwelt die Färbung verleiht. Unser Gemüth erleuchtet uns die Erde oder umhüllt sie mit dichten Schatten, dieses allein führt uns auf wonnige Höhen oder schleudert uns in nächtige Tiefen, dieselbe Welt scheint dem Einen geschmückt, dem Andern verödet, dem Einen ein Paradies, dem Andern eine Wüste; denn unser Schicksal ist wie der Marmorblock, der dem Meißel des Künstlers anvertraut wird; er gestaltet aus ihm, wozu ihn seine Seele treibt; nach seiner Willkür kann er die herzgewinnende Schönheit, kann er das Häßliche, Festpredigten 1893. 5