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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
11 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 59 (sequence 65)
Language
German
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59 einem Andern selbst geschenkt zu wenig ist. Der Ring, das Haus sind an sich vielleicht geringwerthig, indeß das Frohgefühl, das ihr Besitz bei einem bestimmten Menschen hervorruft, ist vorhanden und von großem Werth. Das sind drei besonders frappante Beispiele, die unsere Alten anführen, um uns klar zu machen, daß das Glück keinen allgemeinen Maßstab duldet, daß der Eine sich in denselben Verhältnissen wie im Paradiese fühlt, die dem Andern zur Hölle werden. Darum war es Unrecht, daß Salomo den Lebensüberdruß, den er empfand, auch den andern Menschen einreden und aufdrängen wollte. Und Gott strafte ihn, wie es in der Legende heißt, indem er nicht die Eitelkeit des Menschenlebens überhaupt, allerdings aber die Eitelkeit seiner einfettigen, selbstsüchtigen Weisheit an sich erfuhr. Kaum hatte Salomo ausgehört, König zu sein, und keine Thür seiner einstigen Getreuen öffnete sich ihm. Wie viele Menschen beugen sich, nicht vor dem Wissen, sondern vor dem Titel, vor dem Amt, vor dem glänzenden Namen. vor dem Günstling der Mächtigen oder der Menge! Salomo mußte die beschämende Erfahrung machen, daß die Ehre, welche er als einen Zoll der Achtung für seine Persönlichkeit angesehen hatte, nur dem Throne dargebracht wurde. ״Ich bin, was ich war, und doch gelte ich nichts," ruft er traurig aus, ״denn die Einsicht des Armen ist verachtet." Indeß auch die andere Erklärung der Alten, daß er mit seiner Macht auch seine Weisheit verloren, hat vieles für sich. Wer neben seiner Weisheit nicht Charakterfestigkeit besitzt, dem ist die Weisheit selbst nur so lange treu, als er Erfolg hat. Wenn des Beifalls Wogen ihn umrauschen, dann strömen ihm die glänzenden Gedanken zu; er verliert alles Vertrauen zu sich, wenn der Beifall verstummt. Der Erfolg ist ihm unentbehrlich; der Mißerfolg, die Gleichgiltigkeit, der Tadel nehmen ihm allen Muth; es fehlt ihn! die Fähigkeit, dem Mißgeschick zu trotzen, und Salomo verliert mit der Krone auch den Kopf und sagt: ״Einst war ich etwas, jetzt bin nichts."

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