Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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58 nimmt, mit dem es die Umgebung ziert, und die ihm dann so schön erscheint. Sind wir darum weniger glücklich? — Weisheit und Tugend beruht auf allgemeinen Grundsätzen; hier kann der Genosse mit dreiureden und sagen: Du irrst Dich; aber Glück entsteht aus persönlichen Stimmungen, oder aus dem Willen, sich wohl zu fühlen, und wer hier aus diesen Stimmungen mich reißen und mir beweisen will, daß ich keinen Grund zum Wohlgesühl habe, der ist ein unbeaucmer Störenfried. Unsere Alten sagen: ג׳ חנות הן . חן מקום . אשה ,מקח ״Drei Arten von Gunst giebt es", die der Unbetheiligte sich oft nicht erklären kann. Die Heimath steht bei uns in besonderer Gunst; wer nicht da geboren ist, der kann die Empfindung nicht verstehen, die eine öde, unfruchtbare und rauhe Landschaft in dem hervorruft, der dort seine Kindheit verbracht hat; aus Gefilden, die von der Natur auf's Herrlichste geschmückt sind, kehrt er freudig zurück auf den Bergesabhang, von dem er in den ewigen Schnee hinausschaut; beglückt die Heimath darum weniger, weil dieses Gefühl Andern zuweilen unerklärlich ist? - Selig blicken Bräutigam und Braut auf einander, innig verbunden sind Mann und Frau, und erst durch diesen Bund erscheint ihnen das Leben schön und begehrenswerth; das nüchterne Urtheil kann nicht annähernd alle die Vorzüge entdecken, welche dies Paar gegenseitig in sich findet; zugegeben, daß diese Vorzüge nur Illusionen sind, ist darum das Glück, das die nur in der Einbildung vorhandenetr Vorzüge schaffen, nicht wirklich? Das ist die zweite Gunst, die oft dem Fernstehenden ein Räthsel und doch die Ursache seliger Freuden ist. — Und zum dritten hat oft Einer einen Besitz, der an sich von geringem Werth sein mag, aber ihm ist er besonders theuer; ein Ring, den ent sterbender Vater seinem Sohne gegeben, besitzt für den Sohn einen Werth, den kein Fremder würdigt, ein schlichtes Haus, an das fick, freundliche Erinnerungen knüpfen, möchte Mancher um keinen Palast tauschen, ja ein Liebhaber ersteht um einen hohen Preis einen Gegenstand, der