Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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57 böse Welt hineingesetzt, in der alles Thun zwecklos und ziellos ist? — ״Wenn Arbeit und Nichtsthun gleichwerthig ist, dann hat der Müßiggang freies Spiel."—Darum ist die Meinung, daß Alles eitel sei, welche Salomo am Abend seines Lebens ausgesprochen hat, darum ist der Weltschmerz heut das Erbe eines großen Theils der Jugend geworden, die in ihr einen Freibrief findet, wenn sie aus persönlicher Unzulänglichkeit in menschlichem Wissen und Können nicht vorwärts kommt. Wie schimpflich ist es, das Opfer seiner Thorheit zu werden, und wie tragisch, das Opfer des Weltelends zu sein! Bei Salomo freilich war der Weltschmerz tiefer gegründet, als bei den jungen Schaaren, die heute sein Wort nachplaudern und denen es nur leid thut, daß der Himmel zu hoch ist, um so ohne Weiteres durch einen Handgriff die Sterne herunterzuholen, die Erfolg ohne Mühe, Genuß ohne Ermüdung möchten. Salomo hatte nach Jahren des Glanzes, des Genusses, der reichsten Arbeit gefunden, daß das Leben leer und inhaltslos sei. Das ist schon etwas Anderes; das kann schon eher zum Problem werden. Aber hat im Grunde Einer ein Recht, über das allgemeine Menschenleben den Stab zu brechen, wenn er in sich unbefriedigt ist? Kann sein Urtheil in dieser Frage weiter reichen als über die enge Grenze seines Daseins? Ist das Glück nicht etwas Subjektives? Schon im gewöhnlichen Leben gilt es als geschmacklos, wenn zwei an einer Tafel sitzen und dem Einen die Speisen ganz gut munden, daß dann der Andere die Gerichte tadelt und dem Genossen den Appetit verdirbt. Wir alle aber sitzen als Gäste Gottes an der reich besetzten Tafel, unendlich Biele fühlen sich außerordentlich wohl dabei, welches Recht hat der, den seine üble Laune zu einem undankbaren Kostganger Gottes macht, durch seine Klagen uns die Lebenslust zu stören? Es ist zuzugeben, daß das Glück oft auf Illusionen beruht und daß ein fröhliches Herz aus sich all den Schmuck