Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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52 sehr Gestalt, Gehall und Gewalt. Welches ist denn aber unser Feind? Da denkt inan in der Regel, die Liebe zur Natur, die Freude an der Welt. Wie falsch und wie unjüdisch ist diese Anschauung. ״Ihr sollt Euch treuen vor dem Ewigen, Euerem Gotte" (Levit. 23, 40), sagt zu uns die heilige Schrift. Im Schönen liegt die Bedingung zum Guten, sofern die edle Form uns gebietet, auch einen edleren Inhalt für unsere Bestrebung zu gewinnen. Liegt in den schrillen Mißtönen, in welche die Gemeinde der alten Zeit sich verschrien, anstatt in süße, himmelhoch erhebende Töne des Herzens und Schmerzens einzustimmen, vielleicht Frömmigkeit? Ist die Verzerrung der Formen und Normen des religiösen Lebens vielleicht ein Werk der Religion? Ist das Wohlgefallen an ben erlaubten Freuden des irdischen Daseins, an allem Süßen, was das Herz erhebt und den Geist belebt, vielleicht nicht, im edelsten Sinne des Wortes, sittlich? — M. A.!, Der Hang zum Leben, die Liebe zur Natur ist göttlich und in's Menschenherz gepflanzt. Die Stimine der reinen Natur ist so heilig, wie das Wort der reinen Vernunft göttlich ist. Hier liegt nicht unser Feind. Im Gegenthcile. Das Ideal der Jugend- und Volkserziehung gipfelt in der Pflege und Erhaltung der Natur, wie sie in ihrer Reinheit der Schöpfer geschaffen, der ein das Weltenall in aller Ewigkeit beseelender und belebender Urgeist aller Geister ist. — Unser Gebet ist es: תשיבנו ה׳ אלין ונשובה ״ הדש ימינו בקדםFühre uns zurück zu Dir, o Herr, wir )vollen wiederkehren, erneue unsere Tage von ehedein wieder" (Klagelieder 5, 21). Führe uns zurück, 0 Herr, von den Fehlern aus Religion zur wahren Sittenthat der Religion. * und von der Unnatur zur Natur. מצאתי אשר עשה האלהים אה _ stkoheleth 7, 20) ״ האדם ישר והם בקשו השבנות רביםIch fand, daß Gott den Menschen schlicht und einfach geschaffen hatte, dieser aber sich verrechnet vor lauter Berechnungen." Unser Feind liegt nur in der Verkennung der Natur. Das Aeußerliche, Vergängliche ist eben nicht des Menschen Natur, das Himmlische und Ewige, das Göttliche ist die v