Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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31 nur einmal schlagen dürste, um sie ganz zu zerbrechen, sondern er wählet die starken Gefäße, an die er wieder und wieder schlägt, ohne daß sich ein Riß zeiget. Und also schlägt der Herr nicht die Schwankenden, die nicht Stand halten, .sondern die Frommen trifft seine Hand, deren Liebe jeglichen Schmerz verwindet, die in dem Unglück die Prüfung, in dem Mißgeschick die Versuchung erkennen, wie es heißt ״ ה׳ צדיק יבהןder Ewige prüfet den Tugendhaften!" Was des Schofars zweiter Ton in uns anregt, was der Neujahrstag zu zweit in unserem Herzen erzeugt, es ist das wahrhaft göttliche Gefühl der Hoffnung. Wenn aber der Herr Deiner gedenkt, so will es sich ziemen, daß Du auch seiner gedenkst. Schaue nur zurück auf die Stunden und Tage, welche zwischen diesem Neujahr und dem vergangenen liegen, ob es der Herr nicht um Dich verdient hat, daß Du seiner gedenkst. Als Du vor einem Jahre hier standest vor Gott, mit wie bangen Sorgen, mit wie angstvollem Blicke hast Du nicht hineingeschaut in dies Jahr, das nun besiegt hinter Dir liegt? Wie viele Deiner Wünsche sind nicht verwirklicht worden, wie viele Deiner Befürchtungen sind nicht zerstreut? Har sich nicht Manches zum Guten gestaltet, wovon Du schlechten Ausgang fürchtetest. Ist nicht Freude aufgesproffen aus der Saat, die Du mit Thränen gesäet hast? Hat er nicht aus Krankheiten Dich erlöst, aus Gefahren Dich errettet? Und für all dieses will der Herr nichts als Erinnerung, nichts als daß Du sein gedenkst. Dankbarkeit, diese einzige und diese große That, sie ist der einzige Entgelt, den wir dem Herrn zu zollen haben und so selten wirklich zollen. Oder es müßte anders stehen mit unserer Frömmigkeit, wir müßten nicht mit einem seltenen Erscheinen im Hause des Herrn, mit einem kurzen Ausspruch unserer Lippen die Schuld der unendlichen Liebe zu zahlen vermeinen! Ja, wenn Gott wäre wie der Menschen Einer, dem wir tausend schöne Worte sagen für einen mühelosen Dienst, vor dem wir voll Ergebenheit uns verneigen für einen erwiesenen Gefallen, vor