Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Tausende von Schofartönen haben sie unseren! Volke in die Ohren gerufen, und wenn das Wort noch nicht zur wirklichen Thal geworden, so ist doch der Keim der Hoffnung mehr und mehr in unserer Brust erstarkt. Nieinand unter uns redet von der Abgestorbenheit unseres Volkes und unseres Glaubens! Zählet doch die Neujahrstage, so oft sie wiedergekehrt sind seit Israels staatlichem Verfalle, hat sich die Nacht des Wahns, in welcher die Welt lag, nicht mehr und mehr gelichtet? Sind die Nebel des Jrrthums nicht allmählich verscheucht worden? Sprießt nicht innerhalb Israels neues Leben auf allen Gebieten des menschlichen Wissens? Gründet Israel nicht mehr als je Stätten für die Verehrung seines Gottes? Gründet es nicht mehr als je Schulen für die Verbreitung und Befestigung seiner Lehre? Nun denn, mir haben in unserer Geschichte die Gewähr dafür, daß der Herr unsrer gedenket und wir können dem zweiten Nus des Schofars, der uns fürder der Erinnerung Gottes versichert, getrost die Thore unseres Herzens öffnen! Und wie der Herr seines ganzen Volkes gedenket, so gedenkt er auch jedes Einzelnen. Da ist kein Schmerz, den er nicht heilte, keine Thräne, die er nicht trocknete, kein Angstschrei, den er nicht hörte, kein Wehruf, dem er nicht lauschte, ״denn er, der verwundet, verbindet auch, erschlägtund heiltwieder." Drum wer sich vergessen glaubt vor dem Herrn in dem Leid, das ihn getroffen, wer sich verstoßen wähnt aus dem liebenden Arm, den der himmlische Vater um alle seine Kinder schlingt, dem mag der Schofar die trostreiche Verheißung zurufen: Er gedenkt! Nur muß unser Auge nicht mit menschlichen Blicken das göttliche Verhängniß mustern wollen, nur muß unser Herz nicht mit menschlichem Maße die Schickungen Gottes bemessen wollen, — denn nicht Alles, was Strafe scheint, ist es, darum auch nicht Alles, was Du Lieblosigkeit nennen möchtest, verdient diesen Namen! Denn gar oft thut es der Herr, um in dem Bilde unserer Alten zu reden, dem Töpfer gleich, der, wenn er die Tüchtigkeit seiner Gefäße prüft, nicht die schlechten, die geborstenen wählt, an die er