Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Zeugniß der Erkenniß seiner Schwäche macht, sondern der überhaupt die Deniuth selbst ist, der, was er thut, der, wo er steht, wie ein Unterthan vor seinem Könige steht. Nur bereden wir uns nicht, wie es oft geschieht, daß die dauernde Erkenntnitz unserer Schwäche, daß das stete Bewußtsein unserer Nichtigkeit die Thatkraft und das Selbstvertrauen in uns lähmt! Nicht das Selbstvertrauen soll unserer Gottergebenheit zum Opfer werden, sondern die Selbstsucht, der Eigendünkel und die Aufgeblasenheit, die Keinen neben sich duldet, geschweige denn, über sich die sich selbst beräuchert und über den Gesichtskreis des eigenen Ich nicht hinausschauet, für die es nichts giebt, was nicht belächelt werden könnte, für die der Glaube nur ein morscher Bau, die fromme Sitte ein nutzloses Erbe ist, für die der Vater nur der Aelteste im Hause, des Lehrers Wort nur ein leeres Wort ist. Nun diese Selbstsucht, dieser Eigendünkel, dieses unbegründete Selbstvertrauen muß vor der Demuth fallen. Daruui kann, m. Fr., der erste Ton des Schosars nicht tief genug uns ins Herz dringen, daß mit dem vertrauen erweckenden Gedanken: Gott ist der König, auch der d emutherzeugende, wir sind seine Unterthanen, zu einem schönen Ganzen sich verbinde. II. Und wenn der zweite Schofarruf ertönte, so verkündet er die: Sichraunaus, daß der Herr gedenkt. Und dieselbe Versicherung giebt uns unser Texteswort ״בהר לנו את נחלתנו 21׳ ,Er erwählet uns unser Erbe, die Erhebung Jakobs, den er liebet, Selah". Und dieser Ruf, diese Heilsversicherung ergeht zunächst an ganz Israel, daß es dem Gedächtniß des Herrn nicht entschwunden sei, daß auch sein Geschick heute auftauche in der Erinnerung des Herrn, daß es mit gestärkter Hoffnung der Verheißung vertraue. ״Wie ich meines Bundes mit Dir gedachte in deiner Jugend Tagen, so will ich meines Bundes mit Dir gedenken für ewig." (Ez. 17,60.) Tausende von Jahren freilich sind über diese Verheißung hinweggegangen und