Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 11 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22 nicht was ihm bevorstand, noch ahnte er nicht, tvas sein Gott von ihm fordert, und dennoch antwortet er im Voraus: ״ הנניHier bin ich!" Ich bin bereit, zu hören und zu gehorchen, zu vernehmen und entgegenzunehmenmein Loos, zu thun oder zu leiden, ich bin gefaßt auf Alles, bereit zu Allem, vorbereitet auf Alles! ״ הנניHier bin ich!" Auch wir, wir Alle, werden am heutigen Tage vor Gott aufgerufen, vor feinem Richterthrone zu erscheinen. ״Wie der Hirt, seine Herde mustert, so ziehen wir vor Gottes Alles durch spähendem Richterauge vorüber". Auch an uns ergeht heute eine Neujahrsbotschaft, deren Inhalt wir nicht kennen, die uns gleichsam im versiegelten Brief zukommt, der erst im Lause des Jahres erbrochen und geöffnet, und inhaltlich an uns vollstreckt wird. Da stehen wir, wie Abraham, bei der Nennung seines Namens. Zagend schauen wir in die dunkle Zukunft. Was mag die Botschaft für uns enthalten? Glück? Unglück? Leben? Tod? Aber in diesem Dunkel, in dieser Ungewißheit, da sollen wir uns das Lösungswort vom Stammvater Abraham holen, mit ihm spreche heute ein Jeder: הנני, ein kurzes, aber inhaltsschweres Wort! Hier bin ich! d. h. ganz ergebe ich mich Deinem Willen, himinlischer Vater. Getrost will ich in die Zukunft schauen, gefaßt soll mich das Trübe treffen, geduldig will ich das Traurige ertragen; dankbar und erkenntlich soll mich das Gute finden, das Deine Gnade mir schenket: ״ הנניHier bin ich," gewärtig Deiner Befehle, ״ בטוב בעיניך עשהWie es Dir, o Gott, gut scheint, so thue mit mir". Aber, l. F., das הנני für die Zukunft ist leicht gesagt, und Viele führen es im Munde, aber wenn dle Stunde da ist, wo man es bewähren soll, da gebricht es oft an Muth; darum sollen wir von unserm Stammvater noch ein zweites הנני, das der Gegenwart, lernen. Und Abraham hatte vernommen, welches große Opfer der Herr von ihm verlangt; sehet nun da den greisen Mann, wie er aufstehet mit dem frühen Morgen und den schweren Gang zur Opferstätte seines einzigen Kindes geht,