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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
11 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 14 (sequence 20)
Language
German
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u darum läßt sie die Sorge für das Morgen nicht das Heute genießen, und weil sie an Selbstvertrauen zuviel und an Gottvertrauen zu wenig hatten, darum sind sie haltlos, wenn das Selbst, auf das sie bauten, sich als gebrechliches Rohr erweist. Ihnen vor Allem gilt die Frage ״Wo bist Tu?" Weißt Du es nicht, daß Du in Gottes Welt bist? Du willst Dich nicht fassen, Dich nicht zu gute geben, daß geliebte, theuere Personen voit Deiner Seite geriffelt worden — aber wußtest Du denn nicht, daß die Welt, in der sie lebten, nicht die ihrige war? Tu plagst Dich ntit bangen Gedanken um die Zukunft, Du fragst ängstlich, wie soll es werden, wenn Dieses oder Jenes sich itichl ändert, wenn Dies oder Jenes nicht eintritt. Aber gehört denn die Zukunft so Dir, ist sie denn so Dein eigen, daß es angemessen ist, wenn Du die Ruhe in der Gegenwart ihr zum Opfer bringst? Gewährst Du nicht den Anblick eines Menschen, der, nach dein glücklichen Ausdrucke den Weisen, sich um eine Welt ängstigt, die noch gar nicht sein ist? Unb wenn es Dir scheint, als ob dieser Trost eben nicht tröstlich klänge, so bedenke, daß wir Dir auf die Frage ״Wo bist Du?" antworten: In Gottes Welt! Das enthält freilich zunächst den Gedanken, daß die Verfügung über sie nicht Deitt ist, daß der Erfolg nicht Teilt ist. Und dieser Gedanke in seiner Vereinzelung ist allerdings niederschlageltd, deiilüthigend. Aber dieser Gedanke in seiner Vereinzelung ist auch noch kein religiöser Gedanke: dieser Gedanke in seiner Vereinzeluitg und Allgeilieinheit wird ja auch von denen gedacht, denen Gott die Unoernunst uitd der Zufall ist; aber der Gedanke, daß wir abhängig sind, in Verbindung gebracht mit denl andern Gedanken, abhängig von wem? Abhängig von dem heiligsten und gütigsten Willen, abhängig von dem, den wir Vater nennet!, nnd damit ihn nur ungenügend benennen, weil er ja Schöpfer der Vater- und Mutterliebe ist, und darurn Urquell aller Liebe ist, abhängig von dem, den wir gerecht nennen, und daiuit nur fein Wesen schwach bezeichnen, weil ja der Gerechtigkeitssinn, der in unserer Brust lebt, nur ein

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