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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 7

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
11 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 7 (sequence 13)
Language
German
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7 wenn Gott ausgestattet mit menschlichem Wissen und dazu noch vorauswissend wäre, so könnte daneben keine Willensfreiheit bestehen. Aber fühlt Ihr denn nicht, m. A., welchen Sprung man da von dem menschlichen Wissen zum göttlichen macht. Hat doch der Herr uns durchseinen Propheten (Jes. 99,89) gerade vor solchen Jrrthum warnen lassen, indem er spricht: ״Mein Denken ist^ (sowohl seinem Wesen als seinem Umfange nach) nicht Euer Denken, denn himmelhoch ist mein Denken erhaben über dem Eurigen". Beim menschlichen Wissen giebt es ein Früher oder Spater, eine Vergangenheit und eine Zukunft, Gott aber ist der ewig Seiende, sein Wissen kennt fein Nacheinander, vor ihm ist alles Gegenwart, ״denn ein Gott des Wissens ist der Ewige, vor ihm liegen alle Begebenheiten ausgebreitet." Darum ist sein Vorherwissen kein Vorherbestimmen, darum spricht er zum Menschen: ״Siehe ich lege Euch vor Segen und Fluch!" In Eure Hände lege ich Euer Geschick, Ihr steht an der Wahlurne des Lebens und könnt Segen oder Fluch aus ihr holen. Also läßt sich auch die Stimme unserer Weisen vernehmen: ״Daraus, daß der Herr diese Worte gesprochen: Siehe ich lege Euch vor Segen und Fluch — ersiehst Du, daß Glück und Unglück nicht durch göttliches Verhängniß konnnen, sondern, daß das Unglück eine Folge der bösen That, und der Segen der unausbleibliche Lohn der guten That sei." R.CHaggai bemerkt hierzu: ״Gott hat den Menschen nicht etwa rathlvs an den Scheideweg gestellt, sondern er ertheilte ihnl obendrein den freundlichen Rath: ״Wähle das Leben!" M. A.! Wer wollte hiernach noch an der Wahrhett unseres Textwortes zweifeln, daß die Freiheit der Entschließung den Menschen gewährleistet sei! Dein Wille ist frei! Wähle das Lebens! O! könnte ich Euch diese Worte mit demantenem Griffel eingraben auf die Tafeln Eures Herzens, daß sie nimmer schwinden aus demselben, daß bei allem Euren Denken, Wollen und Thun es Euch gegenwärtig sei: Du bist frei! — Greif in Dein eigenes Innere und sieh, ob es irgend eine

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