Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 139)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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48 Es war nichts Geringes, als er es vor Jahrzehnten unternahm, dem Staate, dem Heere als Arzt zu dienen. Die Kunst des Arztes hat bekanntlich entsprechend der hohen Meinung, welche jüdische Weise von ihr hegen, von jeher bei den Juden sorgsame Pflege gefunden; in Zeiten, wo alle Welt sich gegen uns verschworen hatte, waren es nicht selten jüdische Aerzte, die das Vertrauen der Fürsten besaßen und uns retteten. Als das Morgenroth für uns anbrach, als uns die Stätten der Gelehrsamkeit eröffnet wurden, da drängten sich die jüdischen gebildeten Jünglinge besonders zur Medicin, aber dem Staate als Arzt dienen, ein Vorurtheil, das heut überwunden, ja geschwunden ist, stand damals wie ein mächtiger Wall dem Juden entgegen. Diesem Manne und ähnlichen hochstrebenden Menschen, die ihrem Glauben treu blieben, aber durch ihre Pflichttreue, durch ihre Tüchtigkeit, durch die treue Liebe zu König und Vaterland sich überall Achtung erworben, gebührt das Verdienst, den Wall durchbrochen, das Vorurtheil besiegt zu haben; sie haben ihrer Religion, sie haben ihrem Vaterlande damit einen Dienst erwiesen, indem sie die eine zur Anerkennung, das andere zur Gerechtigkeit führten. Und welch schönen Erfolg brachte ihm sein öffentliches Wirken! Die Ehrenzeichen, die er trug, waren Zeugnisse der trefflichen Dienste, welche er dem Könige und dem Vaterlande in drei Feldzügen geleistet hat, sein für Deutschlands Ehre begeistertes Herz war beglückt von dem unter dem Seepter unseres hohen Kaisers geeinten Reich; und es war ihm erfreulich, mitgearbeitet zu haben für dieses Glück an dem Platze, aus welchen die Huld des Fürsten ihn gestellt hatte. Er erlebte die Gleichstellung seiner Glaubensgenossen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens; das waren selige Momente für ihn, denn er war begeistert hingegeben dem allgemeinen Wohl; und was sein Vaterland schmerzlich oder freudig erregte, das empfand er wie ein eigenes Schicksal. Er hatte die Freuden, welche die Liebe zur Kunst der Seele spendet; und er genoß zuvörderst drei und zwanzig Jahre das Glück eines innigen Familienlebens; alle