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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 47

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 47 (sequence 138)
Language
German
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47 vor mehr zwei Jahrtausenden ein jüdischer Weiser sie gerühmt hat. Der weise Sirach ist es, der uns mahnt: ״Ehre den Arzt nach Gebühr, denn Gott selbst hat ihn für seinen Berns gebildet; denn vom Höchsten kommt ihm die Kraft zu heilen, und vom Könige empfängt er die Gaben; die Wissenschaft des Arztes erhebt sein Haupt und von den Großen wird er bewundert; solches Wissen hat er den Menschen gegeben, daß sie Preisen seine Wunder; nimm den Arzt zu Hilfe, denn ihn hat Gott erkoren, und laß ihn nicht von Dir, denn es kommt die Stunde, da in seiner Hand Heil ist. Denn auch sie beten wohl zu Gott, daß er sie segne und ihre Werke gelingen lasse und Heilung gebe zur Erhaltung des Lebens." So dachte der jüdische Weise über den Beruf des Arztes: wie oft er auch zu Gottvertrauen mahnt, er übertreibt diese Forderung nicht, daß er menschliche Weisheit geringschätzt in Stunden der Noth; während so Vielen in alter und neuer Zeit der Priester der Arzt ist, ist ihm der Arzt ein Priester, und der Talmnd lehrt: ein frommer Jude dürfe gar nicht in einer Stadt wohnen, in der kein Arzt sei, das hieße Gott versuchen. Oft hört man, die Medicin sei eine materialistische Wissenschaft; in Wahrheit bedarf kaum noch ein anderer Beruf in dem Maße eine ideale Stimmung des Gemüthes als der des Arztes; und weil unser wackerer Freund, dem wir jetzt die letzte Ehre, den letzten Dienst erweisen, eine durch und durch ideale Natur gewesen, darum ist er ein so leuchtender Zeuge für die Hoheit und Herrlichkeit seines Berufes, darum hat sich sein Name mit unauslöschlichen Zeichen unserm Herzen eingeprägt. Es ist wahr, er ist früh dahingeschieden, aber sollen wir den Werth eines Menschenlebens schätzen nach der Zahl der Jahre? Ist das doch, als ob wir ein Buch nach seinem Umfange oder ein Bild nach der Fläche schätzen, die es einnimmt; er hat lange genug gelebt, um in Licht und Trübsal, in Ernst und Freude, in Krieg und Frieden einen gediegenen reinen Charakter zu bewahren, um sich Freunde zu erwerben, um einen Namen reich an Ehren seinen Hinterbliebenen zurückzulassen.

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