Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 130)
- Language
- German
- Belongs to
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39 war durch ein seltenes Können und Leisten, und der dabei jeder Anerkennung bescheiden auszuweichen suchte und so that, als gäbe es Viele Seinesgleichen. Weit über den Kreis seiner Familie hinaus hat die Botschaft von seinem jähen Tode die Gemüther erregt; denn Viele sahen in ihm den selbstlosen Helfer, den weisen Berather, zu dem sie voll Vertrauen ihre Sorgen trugen, dessen Herz fremde Noth wie die eigene empfand und der mit klugem Geiste und mit festem Willen denen diente, die nach seinem Beistände verlangten. Zumal in seiner einstigen Heimath wird der Heimgang dieses opferwilligen hingebenden Mannes, tief beklagt, denn obgleich er vor länger als einem Jahrzehnt diesen Ort verlassen hat, sind die Dienste, die er in öffentlichen Aemtern der Stadt und der jüdischen Gemeinde erwiesen hat, dort noch in frischester Erinnerung. Unzählige giebt es dort, die seines Rathes, seiner That dankbar gedenken, er wußte das Band der Liebe, das ihn mit seiner einstigen Heimath verknüpfte, in seiner alten Festigkeit zu wahren durch stets neue Zeugnisse der Treue, der Anhänglichkeit, die er, sei es der Gesammtheit, sei es den Einzelnen, gewährte. Die Trauerbotschaft wirkt um so erschütternder, als sie gänzlich unerwartet über uns hereinbrach und sie hat tiefe Schatten über unsere Festesfreude gelegt. ׳ Er war ein Mann von seltener Art, so tüchtig, daß wohl Alle von ihm lernen konnten, und so bescheiden, daß er von Jedem zu lernen schien, so hilfreich, daß Unzählige ihm verpflichtet waren, und so schlicht und zart, daß er Keinen auch nur durch die leiseste Andeutung erinnerte, so treu, daß er den geringsten Dank, der ihm geleistet wurde, nicht vergaß, und so pflichteifrig, daß er für den größten Dienst, den er leistete, keinen Dank in Anspruch nahm. Von Jugend an hat er das Leben als eine Arbeit, als eine Aufgäbe betrachtet und obgleich er mit Glücksgütern gesegnet war und'einen reichen Lebensgenuß sich wohl gönnen durfte, verlangte er nur sehr wenig für sich und war unersättlich in der Lust, seinen Hausgenossen, seiner Familie, sowie der