Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 128)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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37 goldenen Frieden; köstlicher als Gold war ihm der Frieden, war ihm das tränte Einvernehmen mit seinen Geschwistern, mit allen seinen Anverwandten und Freunden. Vornehme Gesinnung zeigt sich oft am deutlichsten im Verkehr mit Geringern, mit den llntergebenen. Diesen Adel der Gesinnung besaß der Entschlafene im hohen Grade, er befahl seinen Dienern nicht mit hämischem Trotze, er hörte mild und gelassen Jeden, der ihm eine Bitte vortrug, er gab mit vollen Händen, aber auch mit vollem Herzen, und besonders war er gegen seine Untergebenen leutselig, freundlich und rücksichtsvoll und er hat die Treue gefunden, welche besonders für einen Kranken den Dienst erst zu einer Wohlthat macht. Von Abraham, dem Helden der in diesen Wochen vertesenen Schriftabschnitte, wird erzählt, er habe einen köstlichen Stein an seinem Halse getragen, durch den er bei Allen beliebt wurde, durch den er Allen Liebes erwies. Dieser köstliche Stein, der Allen in's Herz leuchtete, war Abraham's menschenfreundliche Gesinnung, und diesen Schmuck hat auch dieser treffliche Mann besessen, daß er Vielen lieb wurde und Vielen Liebes erwies. Von Abraham heißt es: Abraham verschied und starb in einem beglückten Greisenthum, alt und lebenssatt und wurde eingethan zu seiner Familie. Auch dieser Greis hat nach einem beglückten Leben einen sanften Tod gefunden und lebt fort in den Herzen seiner Geschwister, seiner Anverwandten. Er hat ruhig und gelassen sein Ende erwartet; als ich vor einigen Wochen mit ihm redete, wies er aus sein hohes Alter hin und meinte, daß Altersschwäche Ursache des Todes sei. Ein griechischer Denker, der für seine Aussprüche die räthselhafte Form liebte, lehrte seinen Schülern den Satz: Kehre uicht um, werm du ans Ende gekommen bist, d. h. füge dich geduldig in dein Geschick, wenn du dein Ende nahe ' siehst, verzehre und verstimme deine letzten Tage nicht durch ein zweckloses Sehnen, den Lebensfaden gleichsam zurückzuspinnen. So dachte auch dieser Greis, und er ist, nachdem er in seinem langen Leben viel Glück und Freude erfahren,