Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 127)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9616701-9618061-9618062--2157-9618186- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 der Seele, cs zeigen sich Ecken und Kanten, an denen die zartere Empfindung Anstoß nimmt; aber die guten Keime wachsen üppiger empor, wenn das Elternhaus eine Pflegstätte frommen und tugendhaften Sinnes war. Dieses hohen Vorzugs hat sich der Entschlafene erfreut, an dessen Bahre sich jetzt eine große Schaar von Anverwandten wehmüthig ergriffen vereint. Sie alle, m. g. L., haben die Bildung des Geistes und des Herzens, uni es zu wissen und zu würdigen, was Sie an diesem Manne verlieren, den Berather, der mit der Erfahrung des Alters die Harmlosigkeit und die Lebensfreudigkeit der Jugend vereinigte, den Freund, der an jedem einzelnen Gliede dieser weitverzweigten und weithin geachteten Familie den wärmsten Antheil nahm, der gleichsam die Freuden und Sorgen Aller an sein Herz genommen und dort auf's Jnnnigste gehegt hat. Aber seine großen gemüthlichen und geselligen Vorzüge ließen ihn Freunde gewinnen auch außerhalb der ihm durch Bande des Bluts Verbundenen, die besten und würdigsten dieser Stadt schlossen sich mit Freuden dem Manne an, der durch angeborenen Takt, durch feine und liebenswürdige gesellige Form, der vor allem durch Treue und Bravheit sich auszeichnete. Das Alles hat er im Elternhause vor sich gesehen, und das Vorbild der Eltern war für sein klares Herz und für seinen klugen Geist nicht vergebens. Ein gutes Wort, das durch einen Zufall schon in frühester Zeit seinem Kindessinn vertraut war, wurde dadurch gleichsam zur Parole für sein ganzes Leben; das Haus, in dem seine Wiege stand und in dem jetzt seine Bahre steht, heißt: der goldene Frieden. Dieses Wort fiel als Saatkorn in die empfängliche Seele des Kindes und hat dort reiche Frucht getragen; es hat ihn durch's Leben geleitet; bei jedem bedeutsamen Anlaß erinnerte er die Familiengenossen daran, daß sie aus dem ״goldenen Frieden" stammen und er hat dadurch das Band der Eintracht, welches sich so fest um alle Glieder Ihrer Familie schlingt, noch inniger und herzlicher gestaltet. Er wohnte in des Wortes reinster Fassung im