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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 33 (sequence 124)
Language
German
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38 XI. Rede um Grabe eines zufriedenen Greises. G. T.! G. L.! Wer den äußeren Lebensgang dieses guten Mannes, den wir jetzt bestatten, betrachtet, der möchte es kaum glauben, was doch jeder, der ihn genauer kannte, zweifellos bestätigen wird, nämlich, daß er einer der glücklichsten Menschen gewesen ist, die hierorts in dieser Zeit gelebt haben. Wie wenig haben doch die Philosophen recht, die die Welt schelten, weil in ihr so viel Elend und Mühsal waltet. Trotz alledem: ob einer das Dasein fröhlich nnd unerträglich sindet, das hängt weit mehr von seiner Gemüthsstimmnng als von seinen äußeren Verhältnissen ab. Dieser wackere Mann hat es von seiner Kindheit an nicht leicht gehabt; fast nie ist die Sorge aus seinem Dasein gewichen und er blieb arm an Erfolg und an all den Gaben und den Gütern, die sonst uns Sterblichen die Tage verschönen. Er Hütte hinreichend Grund gehabt, sich über sein Schicksal zu beklagen. Aber er bedurfte gar nicht des Sonnenscheins von außen, da er die Sonne im Gemüthe trug Es ist bezeichnend für sein ganzes Leben, daß er, da er schon im Sterben lag. auf die Frage, wie es ihm ginge, die Antwort gab: ganz gut. Er empfand gar nicht die Enge und die Angst des Daseins, ihn kostete es keine Ueberwindung auf Genüsse zu verzichten, dagegen sprudelte ihm im Gemüthe ein unerschöpfliches Quell der Freude, der ihn wunderbar erfrischte; wenn er mit Freunden einen Gang in's Freie unternahm, so brachte er mehr innere Befriedigung heim, als Andere von großen und kostspieligen Reisen gewinnen. Gern verweilte er bei den Erinnerungen an die Jugendzeit; da ihm das spätere Leben nicht viel Erfolg gespendet hatte, so bannte er es gleichsam aus seinen Gedanken, damit es ihn in seiner heiteren Lebens- Grabpredlgten. 3

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