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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 32 (sequence 123)
Language
German
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32 zeichneten durch ihre jüdische Kenntniß; und bis in das hohe Greisenthum war sein Auge klar, sein Schritt rasch und rüstig, sein Geist hurtig und empfänglich. ״Wahrlich so wird gesegnet ein Mann, der Gott fürchtet." Ist solch ein Leben nicht eine Mahnung, gleiche Tugend zu üben, aus daß wir gleichen Glückes theilhast werden? Dieser Rückblick bietet Ihnen, m. g. L.! den reichsten Trost. Waren Sie es nicht, verehrte Greisin, die Sie dem Gatten mehr als ein halbes Jahrhundert durch Ihre zärtliche Treue so leicht und freudenreich gemacht haben, sind diese Binder und Enkel, die der Stolz ihres Mannes waren, nicht auch die Ihren? werden sie nicht um so inniger sich an Sie schmiegen, und wird die Sonne der Liebe nicht Ihren Lebensabend mit sanftem Strahl umsäumen? Und Sie, die Kinder, die Enkel dieses Frommen — solch ein Mann stirbt nicht, sondern lebt fort durch all die tausend Lehren, die er in ihr Herz geprägt, durch all die zahllosen Zeugnisse der Liebe, mit denen er sie beglückt hat. Die Spur von seinen Erdentagen wird leben, so lange sie selbst leben nnd athmen, und ist es nicht erhebend für sie, daß eine ganze Gemeinde Ihren Schmerz undJhre Klage theilt. Wir alle beten: Hilf, oHerr. denn ein Frommer hat vollendet, es schwinden die Gottgetreuen unter den Menschenkindern; möge das neue Geschlecht nicht verarmen in Hingebung zum alten Glauben, mögen ihm treue Männer erstehen, die dem Entschlafenen gleichen an Frömmigkeit, an Bescheidenheit, an Mäßigkeit, an echt menschenfreundlicher Gesinnung; Deinen Trost der edlen Greisin, daß es wieder Licht werde in ihrem Hause, in ihrem Herzen, daß der Verderber ihr fern bleibe und den Ihrigen und ihr Lebensabend freundlich sei durch eine rüstige Gesundheit und durch Glück und Gedeihen ihrer Familie. Hilf, o Gott, den gebeugten Gemüthern der Kinder und Enkel dieses Greises, daß sie sich aufrichten im Gedanken an Dich und so bestreben ihm gleich zu werden. Den Trauernden Deinen Trost und dem Entschlafenen Dein Heil. Amen!

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