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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 16 (sequence 107)
Language
German
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16 keit der Empfindung in jenen prunkenden Wendungen dargethan, die so oft der Deckmantel der Falschheit sind, und zumal der starke Sinn der Entschlafenen wollte lieber in Werken als in Worten Liebe bekunden. Sie war ganz ohne Falsch und von einem lebendigen Wahrheitseiser beseelt: was sie für recht erkannt hatte, danach richtete sie sich, das sprach sie aus, und es kümmerte sie wenig, ob ihre Meinung mit dem Urtheil der Leute übereinstimmte oder von ihm abwich. Man konnte über Vieles mit ihr reden, was sonst der Gedankenssphäre der Frauen sern liegt, und da sie die Krast und die Lust hatte, selbst über die Dinge nachzudenken, so erfreute sie durch die Ursprünglichkeit und die Frische ihres Urtheils. Sie besaß ein theilnehmend Herz für fremde Noth und Ihre Klage, m. g. L., wird einen Wiederhall finden bei so vielen Armen. Darf ich bei diesem Anlaß auch davon reden, was ich an der Entschlafenen verloren habe? Ich habe kaum ein Recht dazu, in diesem Kreise von Männern und Frauen, die durch Verwandtschaft und langjährige, in der Jugendzeit wurzelnde Freundschaft ihr verbunden waren. Aber kann einer verschweigen, wovon seine Seele ganz erfüllt ist? Ich habe bange Zeiten in dieser Stadt verlebt, nicht geneigt und nicht fähig zum Verkehr der Welt, die der Traurige nur schwer erträgt. Da war es Dein Zuspruch, Du reine Seele, den ich so oft anfsuchte, wenn mir die Stunden zu schwer wurden, und bald DeintröstendesWort, bald Dein frischer Humor, der ans dem klugen Geist und dem guten Herzen kam, verscheuchte Pein und Bangen. Und wie sie ihre Eltern mit rührender Hingebung gepflegt hat, wie sie ihrem Gatten mit klarem Geiste, mit emsiger Hand stützend und rathend zur Seite gestanden, tute sie ihre Tochter mit jener wahren Liebe erzogen hat, die zur strengen Pflichtersüllung hinleitet, so nun־ sie auch eine treue Tochter ihres Stammes, eine echte Jüdin. Die Tochter des Zelofchod, von denen morgen im Gotteshanse verlesen wird, traten hin vor Mose mit der Frage: ״Warum soll weichen der Name unseres Vaters aus seiner Familie?"

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