Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 Darum hat der Heimgang dieser trefflichen Frau, die wir seht zur ewigen Ruhe betten, uns Alle mächtig erregt, wir denken an den Gatten, der ein unendliches Glück gefunden im Zusammenleben mit dieser frommen, verständigen, nur für ihres Hauses Wohl bedachten Frau, an die Kinder, welche all ihre Sorgen und Freuden zur geliebten Mutter trugen, für die die Mutter, da der Bater so oft draußen im Kampf und Sturm des Lebens stand, gleichsam die Welt gewesen, wir denken an den Säugling, der noch gar nicht weiß, was er verloren, der diejenige, die ihn mit der reinsten Hingebung geliebt, hier aus Erden nie kennen lerneil wird. Die Dahingeschiedene hat es mit ihren Pflichten stets ernst genommen. Gleich jener Esther, von der wir gestern im Gvttesbnche lasen, ist sie früh verwaist worden und wurde im Hause ihrer Anverwandten, die sich liebevoll ihrer annahmen, in Gottesfurcht und Sittenreinheit erzogen. Die Liebe, die sie erfuhr, hat sie mit ganzer Seele vergolten; die ihre Pflegemutter gewesen, ist dann von ihr mit der Treue einer Tochter gepflegt worden und am Krankenbett erstand der Liebesbund, der für die Entschlafene wie für ihren Gatten so beglückend gewesen ist; sie wardemMannein den bangen Jahren seiner Krankheit, in Zeiten der Sorge die treueste Stütze, und als dann die Gesundheit ihm wiederkehrte, die Arbeit erfolgreicher wurde, war ihr frommes Walten dem Manne der lieblichste Lohn für all sein Mühen. Ihre Frömmigkeit war keine äußerliche, die sich genug thut, wenn sie hergebrachten Brauch pünktlichst befolgt, sie wußte, daß Frömmigkeit vor Allem bedeutet Gutes thun, sie hatte ein dankbares Herz dafür, daß Gott sie durch so viele Prüfungen so gut geführt hatte in das Haus eines Mannes, der in fürsorgender Liebe gleichsam jeden Strohhalm ihr aus dem Wege räumen wollte; Alles wußte sie schlicht und verständig zu ordnen, jede wohlwollende Absicht des Mannes, einem Andern aufzuhelfen, fand durch sie die sicherste Förderung und so wurde durch vereintes Wirken ihr Haus eine Stätte, die sich manch guten Werkes rühmen durfte und