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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 11 (sequence 102)
Language
German
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IV. Kei»e am Grabe einer jungen Fra«. Geehrte T10־ nerversamutl 1tng! Werthe Leidtragende! Wenn wir einen müden Wanderer nach dieser heiligen Statte geleiten, der nach langer Wallfahrt hier zu ewiger Ruhe einkehrt, auch dann noch wird unser Herz ernst gestimmt angesichts der Majestät des Todes; aber wir fügen uns gelassen und ruhig in eine Ordnung, die für alle Wesen festgesetzt ist, wir verstehen, daß ein ewiges Leben hier auf Erden nur eine Last, nur ein Elend werden könnte. Jedoch wenn plötzlich ein Lebenssaden abgeschnitten wird, da die Zuversicht waltete, daß er noch lange, lange sich weiterspinnen werde, wenn in den Sturz dieses jungen Lebens das Glück und die Hoffnung so Vieler mit hineingerissen wird, die mit jeder Faser ihres Herzens dem Todten verbunden waren, wenn die junge Gattin von der Seite des Mannes geraubt wird, dem sie die Sonne des Hauses war, wenn die junge Mutter scheiden muß von der Schaar ihrer unmündigen Kinder, dann zittert nicht nur das Gemüth der Verwandten und Freunde vor Schmerz und Trauer, o nein, dann erhebt sich eine allgemeine Klage über eine solche Heimsuchung, ״jedes Haupt wird krank, und jedes Herz vergeht", zu dem die Kunde von so unendlichem Jammer dringt. Gestern lasen wir in der heiligen Schrift: als über die Israeliten in Susa, der persischen Hauptstadt, ein grauses Verhängnis hereinbrach, da war die ganze Stadt Susa bestürzt, es schwanden alle Schranken des Glaubens und der Abstammung, und es blieb nur das Mitgefühl der Menschen mit menschlicher Noth. So pocht die Noth, wenn eine junge Mutter scheiden muß aus dem Hause, dessen Zierde und Stütze sie gewesen, an jedes Menschenherz, das davon erfährt, und es wird tief erschüttert.

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