Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
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6 diesen Jüngling blickten, das; sie zuversichtlich erwarteten: wer so selbstlos strebt, wer jeder Ehre so sorgsam aus dem Wege geht, der werde um so eher aller Ehren theilhast werden. lind welch' ein treues Herz hatte dieser Treffliche für all' die Seinen. Dem gehorsamen und bescheidenen Sohne war der leiseste Wunsch der Eltern unverbrüchliches Gesetz: sein harmloser Sinn konnte sich an der geringsten Ausmerk samkeit ergötzen; und er stellte so geringe Ansprüche an den Lebensgenuß, daß ihn die Eltern säst dazu zwingen mußten, sich die so wohlverdiente Erholung zu verschaffen. Schon dem Jüngling blühten Erfolge: die erste Druck schrist, die er veröffentlichte, fand den Beifall berufener Beurtheiler: Meister der Wissenschaft nahmen Antheil an dem strebsamen, vielversprechenden jungen Gelehrten und eine Fülle von Plänen und Entwürfen bewegte diesen Kops, dessen Lehrfahre nicht vergebens gewesen waren. Da plötzlich zerstört ein böser Dämon dieses höchste, dieses reinste Glück erfolggekrönter wissenschaftlicher Arbeit. Die Krankheit überfällt den jungen Mann aus einer Reise, die er zu seiner Erholung von ernster Arbeit angetreten hatte; er rafft noch die letzte Kraft zusammen, um zu dem geliebten Elternhause zu eilen, um dort nach wenigen Tagen in den Armen seines sorgsamen Vaters, seiner zärtlichen Mutter, seines mit rührender Aufopferung itzn pflegenden Bruders zu sterben. Noch ׳in seinen Fieberträumen blieb er seiner Wissenschaft treu und in jedem Moment, wo ihm das Bewußtsein wiederkam, war sein erstes Sehnen, nur recht bald wieder zu seiner gelehrten Thätigkeit zurückkehren zu dürfen. Während dieser ganzen schweren Zeit kam nie eine andere Klage über seine Lippen als die, daß er zur llnthätigkeit verurtheilt sei. Und dieser strebsame Mensch, und 'all' die Hoffnungen, die Eltern, Geschwister und Freunde aus ihn gesetzt haben, werden jetzt eingesargt in den dunklen Grund; wir hofften aus eine glückliche Zukunft für diesen hochstrebenden Manu,