Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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5 hat er seinen Lehrern bereitet. All' die Sorgen, die sonst wohl Eltern bei der geistigen und sittlichen Heranbildung ihrer Kinder stören, unser Jüngling hat sie seinen Eltern stets fern gehalten; nie bedurfte es selbst für den Knaben des aneifernden Wortes, um ihn an die Bücher zu fesseln; in raschem Schritte durcheilte er die Stadien des Unterrichts und in einem Alter, wo bei Weitem die Meisten, auch unter denen, die später tüchtig und wissensmächtig werden, noch der Schule angehören, noch fast ein Knabe den Jahren nach, trat er als Sludent in die Hörsäle der Wissenschaft mit dem festen Borsatz, nicht um Amt und Brod zu lernen, sondern zu leben und zu lernen einzig und allein um der Erkenntniß willen. Wohl ausgerüstet zog er hinaus auf den Ocean der Wissenschaften, den er nach allen Richtungen durchfurchen wollte; er wollte ihn nicht wie die Meisten nur rasch durchschneiden um Amt und Stellung zu gewinnen. Von diesem Fleiß, von diesem Eifer kann sich kaum Einer einen Begriff machen, der ihn nicht beobachtet hat. Nicht etwa, daß sein Geist bei seinen Studien vertrocknete. Er war ein Freund des Humors und hatte selbst in hohem Grade die Gabe, durch Geist und Witz die llnterhaltung zu beleben. Nur mußte beim Gespräch der Geist angeregt und beschäftigt sein, wenn er sich an ihn! mit Lust betheiligen sollte. Ihn lockte die Kunst nicht minder als die Wissenschaft; wohlvertrant war ihm die Kunst der Töne und er konnte durch sein Spiel voll Kraft und voll Seele die Herzen rühren. Mit jugendlichem Ungestüm wollte er möglichst viele Strecken sich erobern auf den Arbeitsgefilden des menschlichen Geistes. Und ihn trieb nicht eitle Ruhmbegier. ״Er war im Leben und im Wissen durchaus der reinen Fahrt beflissen." Wenn er das Ziel feiner Sehnsucht bezeichnen sollte, so war es: in einer stillen Stadt, von seinen Büchern umringt, einzig der Mehrung und Klärung seiner Erkenntniß zu leben. War es sonach nicht natürlich, daß Eltern und Geschwister und Freunde mit den frohesten Hoffnungen auf