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Israelitisches Predigt-Magazin · 1893-01-01 · 1893 · p. Seite 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
10 (1893)
Issue
1893
Date
1893-01-01
Page
Seite 55 (sequence 66)
Language
German
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55 fremden Töchtern dieser Stadt, sondern geh' zu!neiner Verwandtschaft, nimm dir ein Weib von den Bruders-Töchtern deiner Mutter, uud der allmüchtge Gott wird dich segnen. Und Sie folgten dem mütterlichen Rathe, Sie trugen, der Tochter Ihres wackeril Oheims Ihre Haild bietend, (tit diesen im Namen der Mutter eine alte Liebesschuld ab: ^da wahre Liebe so unendlich reich ist, daß sie dem Zahler ihrer Schuld vielfach vergilt, so haben auch Sie durch Ihre Wahl dem beraubteuHerzeu neuen Liebesreichthuin zugesührt. Und so stehen Sie jetzt hier vor Gott, um seinen Segen zu empfangen, in der Nähe zweier greisen Väter, deren Herzen sich heute verjüngen, in der Mitte einer frohen Familie, an der Seite einer wackern, braven Jungfrau, umgeben von theilnehmenden Verwandten und Freunden, und alle stinunen ein in den Ruf: Gott sei ui i t Ihnen! Und sie mögen sich im zweiten Ehebunde wie im ersten auszeichnen durch eine gütige, liebevolle, milde Behandlung, die Sie ihrer Gattin angedeihen lassen. Sanftmüthig, nachgiebig sein in der Ehe, ist ja nicht nur des Weibes, sondern auch des Mannes heiligste Pflicht: sammelt der Ernst des Lebens Wolken um seine Stirne, so trage er in ihnen keine Gewitter nach Hause, sondern je mehr er sich dem Hause annähert, zerfließe das Gewölle und mit heiterer Stirne trete er ein. Und je mehr Sie sich, m. Brtg., bis jetzt einsam gefühlt in Ihrem Hause, desto heimischer mögen Sie von heute an sich dort wieder fühlen. Habeil Sie ja die Erfahrung gemacht, daß der Verlust des häuslichen Glückes für den fühlenden Mann eine große Lücke im Herzeil bewirkt; diese ist durch das Weltleben nicht zu ersetzen, fonberit da dieses ebenfalls leer, öde und schaal ist, so läßt es ilur um so schmerzlicher des Herzens erlittenen Schadeil fühleil. Tausend gleichgültige Herzen ersetzen nicht ein liebendes; die Welt liebt nur, wenn sie mitgenießen kailn, ein treues Herz aber liebt in Leiden erst recht wahrhaft. Darurn freue sich der Mann des höchsten Gutes, eiiles treuen Weibes, unb da der Himmel Ihnen dieses Gut wieder erneuert hat, so werden -Sie es zu schätzen wissen, und Ihre geliebte Gattin, all'Ihre

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