Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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54 XIV. Nicht allein! Triniuillwrcdc bei einer WikdervcrhciriithilNsi. Bon Rabb. Leopold Ztein. Theures Brautpaar! Wenn die Stunde der ehelichen Einsegnung schoit im Allgemeinen eine höchst wichtige erscheint, so ist sie doch von ganz besonderer Bedeutung für ein Paar, dessen eine Halste schon einmal in ehelicher Berbindung gelebt und glücklich gelebt hat. Da tauchen vielfache Erinnerungen auf, welche das Herz schmerzlich berühren; Hoffnungen auf Wiedererneuerung des untergegangenen Glückes werden rege, welche das Herz mit Freude beleben, und so wird das Herz bewegt zwischen Freude und Schmerz, her und hin, und findet nicht Ruhe. Siehe, da tritt in dieser heiligen Stunde die Religion, welche die Schmerzen heiligt und die Freuden erhebt, liebend heran, und sie beschwichtigt das aufgeregte Herz und flößt ihm Muth ein. Der Lebende spricht, sie gehört den Lebenden an; der Hoffnung erfrischendem Hauche öffne er das vereinsamte Herz; neue Liebe gönnt ihm der Vater des Lebens, denn also heißt es in seinem heiligen Worte: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei! Werthes Brautpaar, dies haben Sie im Leben freud- und leidvoll mannichsach erfahren. Sie fühlten sich einst, w. Brtg., in den Tagen, als der Jüngling zum Manne geworden, einsam im Vatechause und sprachen, es ist nicht gut, daß der Mann allein sei, uitd Sie schlossen einen Bund, einen herzinnigen Bund, der aber ::ach dem Rathschlusse dessen, der bindet und löst, nicht von langer Dauer sein sollte. Da fühlten Sie wieder eine Lücke in ihrem Herzen, eine Lücke in Ihrem Hause, das zarte Kind, das Unterpfand Ihrer ersten Liebe, fühlten Sie, müsse wieder eine Mutter haben, und Sie empfanden wieder die Wahrheit des Satzes, es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Und horch! der Geist ihrer sel. guten Mutter flüsterte Ihnen zu, wie einst Rebekka ihrem Lieblinge: Mein Sohn! nimm dir fein Weib von den