Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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50 baldachins, um Ihren Herzensbund durch die Religion weihen zu lassen. Die Stimme Gottes, die einst der jungen Schöpfung znrief: Ich will dem Menschen eine Gehülsin schassen, die ihm treu zur Seite stehe, ihn allezeit beglücke, mit ihm theile Freud' und Leid, denn allein Ware er — und wäre er selbst ein König, der sich das ganze All mit seinem Scepter untermorsen hätte, — zu schwach, die Bürden, aber auch die Herrlichkeiten des Daseins zu tragen: — diese Stimme Gottes hörten Sie, folgten ihr und knüpfen heute die Fäden, die sie lange vorher gesponnen zu dem Bunde der heiligsten Jnstitution der Erde, zu dein Bunde der Ehe. Wie glücklich sind Sie aber auch, dieses Bündniß zu schließen im Beisein treuer Blutsverwandten, liebender Eltern, zärtlicher Geschwister, hingebender Familienglieder, die selbst aus weiter Ferne herbeieilten!, Sie zu erfreuen. Allein, so beglückend für Sie der Gedanke an die Gegenwart mit ihren! Reize, ihrem frischen Myrthengrün ist, so pochet doch das Herz am Vermählnngstage ob dem Ernste des Schrittes, der ja nicht ein Schritt für Tage oder Jahre, sondern ein Schritt für Zeit und Ewigkeit ist und sein soll; in den Kelch freudiger Stinnnung mischt sich ein kleiner Tropfen trüben Ernstes über die dicht verhüllte, noch nicht entschleierte Zukunft. ״Heute bin ich glücklich, heute fühle ich mich wohl, heute scheint mir die Sonne, heute durchdringen ihre leuchtenden und wärmenden Strahlen meine Brust, wird es morgen, in der Zukunft, allemal so sein,!vird die Sonne des Glückes niemals untergehen an meinem Himmel?" Das ist die Frage, die an den Wendepunkten des Lebens unser Herz beschäftigt. — Vieles vermögen Eltern ihren Kindern mitzugeben auf die Reise in das gelobte Land der Ehe: Nahrung, Kleidung, Erziehung, Bildung, Rang, Stellung, Schätze und Reichthüiner aller Art, aber das Leben nicht, die Gejundheit nicht, den Seelenfrieden nicht, das innere Glück nicht, das steht in der Hand dessen, der die Geschicke lenket, die Loose wirft und des Menschen Pfade bestinunt. llnd daher sind wir geneigt, bei dem Gedanken an unsere