Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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49 XIII. Die Altarflammen. Trauungsrede von Rabb. Pr. D. L eiind ör fer. Der Allmächtige, der die Menschen in seiner Liebe eint, sei mit uns heut und allezeit! Amen. ״Ein beständiges Feuer soll brennen auf dein Altar, das nie erlösche!" Also lesen wir im laufenden Wochenabschnitte der heiligen Schrift (III. Moses Cap. 6 V. 6). Mein werthes Brautpaar! Heilig ist die Stunde, in welcher Braut und Bräutigam, das liebe Elternhaus verlassend, die unauflöslichen Bande ewiger Liebe um ihre Herzen schlingen, heilig der Moment, wo sie das Gelöbniß steter Zusammengehörigkeit vor dem Allwissenden ablegen, heilig die Empfindungen, die dieses Gelöbniß dictiren und die auf dem Gefilde der Jugend die Blumen pflücken für den Kranz der Ehe. Und dieweil dies Alles heilig ist, so berechtigen wir den Text aus unserem Thora-Abschnitte hier anzuwenden, denn er handelt vom Altar und seinen Flammen im alten Heiligthume Israels Ein Altar ist auch des Menschen Herz, wenn es sich weihen läßt für das, was dem Ewigen gilt, wenn es einpfänglich ist für die hehren Gefühle, die der Gottesfunke in ihn! entzündet, für die heiligen Gefühle der Liebe. Dort, wo sie erwacht, da lodert ein Etwas im Menschen, das ihm das höchste Glück des Lebens in Aussicht stellt, das ihn mit unendlicher Freude erfüllt, mit magischem Zauber ergreift. — Auch Ihre Herzen, mein werthes Brautpaar, sind Altäre, heute fühlen Sie es, wie mächtig die Flammen der Liebe auf ihnen lodern, müssen es fühlen, wollen Sie Ihre Wahl- Verwandtschaft oder besser Berwandtschaftswahl eine glückliche nennen; nur die Flammen der Liebe löthen die Menschen- Herzen an einander, erzeugen die erhabensten Regungen der Seele, entfernen alle Schlacken und fördern das edle reine Gold zu Tage, aus dem der Reif gefertigt wird, womit sich die Gattin am ersten Tage der Ehe schmücket. - Mit diesen Gedanken traten Sie hierher unter das weihende Dach des Trau- CajuaUede». 4