Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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21 jenen Priestern des Tempels darum beten, daß Gott den jungen Gatten das zufriedene Herz bewahre. Gewiß, der geistige und sittliche Fortschritt der Menschheit ist zum Theil dadurch bedingt, daß die civitisirten Völker weit mehr Bedürfnisse haben, als die Wilden und Barbaren. Die Welt ist auch nicht darum so schön, daß der Mensch sich von ihr abwende, als wäre sie seine Feindin und Verführerin. Aber es darf die Freude am Dasein nicht zur hastenden Genußsucht entarten, die niemals befriedigt wird. Nur wenn das Herz heil und gesund ist, nur wenn der Friede darüber seinen Fittig breitet, nur wenn wir wissen, daß das Glück nicht draußen zu finden ist, sondern in den Tiefen des Gemüthes liegt, nur dann blühen ans ihm die i?icbc und das Wohlwollen. Und -nun zum vierten. Auch das reichste Eheglück ist sich selbst nicht genug: wir bedürfen auch der Freunde, des Anschlusses an Menschen, die wir im weiteren Sinne die Unsrigen nennen. Die Ehe ist ja nicht nur der Bund zwischen zwei Mensche n, sondern der Bund zwischen zwei Familien und es ist nicht der geringste Segen der Ehe, daß Jeder der Gatten gleichsam neue Eltern, neue Geschwister, neue Vettern und Freunde erhält. Aber das Gesetz der Freundschaft ist streng: nur der erhält sie, der sie gewährt: die Gatten dürfen nicht wie auf einer weltentlegenen Insel nur ausschließlich ihrem Glücke leben, sondern sie müssen es sich gegenwärtig halten, daß sie auch den Eltern, den Geschwistern dem weitern Kreise der Familie gehören. Sv wird das Segenswort: Der Gott, dessen Namen aus Eurem Hause ruht, er pflanze in Eure Mitte Liebe und Wohlwollen, Frieden und Freundschaft, so wird dies Gebet, das wir für Sie zu den Höhen des Himmels senden, auch zum Mahnruf, der in die Tiefen Ihres Herzens dringt. Geehrtes Brautpaar! Nicht nur Ihnen ist das Walten Ihres Elternhauses ein edles Vorbild, wir alle freuen uns der Tugenden, die dort ihre Heimstätte haben, der bürgerlichen Tüchtigkeit und Bescheidenheit, der geistigen Regsamkeit, des arbeitsfrohen Eifers für das öffentliche Wohl. Sie aber sind Vielen Werth als das jugendliche Abbild der