Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/9616701-9618061-9618062--2048-9618077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
möchte zu Gold werden und die Götter gewährten es ihm, und siehe er Hütte Gold statt Brod und konnte seinen Hunger uicht stillen, solcher Leute giebt es viel auf Erden, all ihr Linnen geht aus Gold und Schätze und nun erreichen sie, was sie begehren und sind dennoch arm und unglücklich und sterben Hungers mitteil unter ihren Schätzen, denn wie das tägliche Brod braucht der Mensch die liebende Theilnahme der Genossen, aller Glanz kann ihn nicht schadlos halten, wenn sie ihm fehlt: aber sie allein kann Ersatz bieten für allen Glanz der Welt. Diese liebende Theilnahme, wenn sie die Gatten nicht ' bei einander finden, sie möchten sie aus dem weiten Erdenrund wohl meist erfolglos suchen. Zwar wird viel unter den Menschen von Freundschaft gesprochen, aber so häufig das Wort ist, die Sache mutz wohl sehr selten sein, da die Geschichte es werth befunden hat, uns die Kunde von einigen wirklichen treuen und aufopfernden Freundespaaren als etwas höchst Seltsames und Erstaunliches zu berichten. In der That erlaubt es der Kampf des Lebens nicht Bielen, vollen Antheil zu nehmen an fremdem Schicksal; auf den hochgehenden Wogen des Lebensstromes haben die Meisten vollauf zu thun sich selbst an der Oberfläche zu halten, sie können, auch wenn sie es gut meinen, nur hin und wieder einmal einen Blick werfen auf den Genossen, sie können ihn! in einzelnen Momenten des Lebens zur Seite sein, aber fürs ganze Leben einander helfen und -stützen und bernthen und trösten und erfreuen, das können nur Menschen, deren ganzes Wirken zu einem Ziele strebt, das können nur Mann und Weib durch die Ehe verbunden. Freunde, wie leicht können sie getrennt werden durch die Verschiedenheit der Interessen, wie leicht können sie räumlich auseinander geschoben werden und schwer ists zu helfen dem Fernen, aber Gatte und Gattin, da ist wenigstens nach vernünftiger Betrachtung eine Verschiedenheit der Interessen nicht denkbar, die sind einander ständig nahe, und man kann wohl sagen: die Ehe ist die häufigste und vollkommenste, weil die leichteste Verwirklichung der Freundschaft.