Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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fi . Wir stehen heut hart vor den drei Wochen, in welchen den Israeliten jede laute Freude verboten ist \uv Erinnerung an die Zerstörung des Tempels und an die Mühsal, welche seitdem den jüdischen Stamm betroffen hat. Nehmet für jeden Tag dieser drei Wochen ein Jahrhundert, und die Zahl reicht iaum noch aus für die Leidenszeit Israels, da aber die Treue nicht aus den Häusern schwand, in es stehen geblieben kn den Stürmen der Zeit. Ein tiefer Denker hat gesagt, daß es die Liebe sei, welche das Weltall zusammenhält,*) und es liegt ein tiefer Sinn in dieser Bcseelnng der Natur. in dem Gedanken, daß alle Wesen Antheil haben an dein Gefühl, welches das Gemüth des Menschen so sehr beglückt und erhebt, so sehr erfreut und veredelt. Sicherlich war es die Liebe, welche das jüdische Volk zusammenhielt und vor dein Verfall bewahrte. Freilich war die jüdische Liebe nicht jene romantische und phantastische Erregung, von der die modernen Schriftsteller so gern erzählen, und deren Schilderungen dann mit Eifer von den Brassen verschlungen werden: die alten Juden haben wenig Romane erlebt und itoch weniger gelesen: ihre Liebe war kein Rausch, sondern recht nüchtern und be sonnen, sie war wie ein Diamant, hart und scharf und leuchtend und klar; hart, und keiner konnte sie brechen, scharf und sie traf schneidig den Widersacher, leuchtend, und sie war ein Glück und ein Schmuck für die Insassen des Hauses, klar und man konnte diesen reinen schuldlosen Menschen bis aus den Grund des Herzens schauen. Ja die Ehe ist eine Burg, die dem Menschen Rettung und Heil gewährt, wenn die Wett ihn verstößt; aber durch sie allein gewinnt auch alles Glück und aller Erfolg erst den rechten Werth, denn nothwendig wie das Brvd ist dem Sterblichen ein theilnehmend Herz, wem dieses fehlt, der hat nur den Schein des Lebens, aber er ist in Wirklichkeit ein unlebendiger Schatten, er mag Schütze und Glanz und Ehren haben, aber er kann keine Freude gewinnen. Es giebt eilte Sage von einem thörichten Menschen, der von der Gottheit erbat, Alles was er berührte, *) Vgl. Psalm 89,3: ,עולם חסד יבנה