Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 161)
- Language
- German
- Belongs to
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37 heule Acker erwirbt in diesem Lande, ist nicht gehalten, sich nach diesen Gesetzen zu richten. So sind die Gebote vermindert worden, ohne das; das Jud.nthum aufgehvrt hätte, st ine Genossen sittlich und religiös zu erziehen. Und Jedermann weiß, wie der Talmud die Gebote vermehrt hat. Bon vielen Satzungen, die wir jetzt befolgen, sogt der Talmud selbst, daß sie nur in losem Zusammen- Hang mit der Schrift stehen, «daß sie Bergen gleichen, die an einem Haare hängen." Wir sehen sonach, unsere Religion hat entsprechend dem Weltgesetze der Entwicklung, seit den Tagen des Sinai Acnderungen erführen, indem sie Satzungen abstieß, die in den veränderten Zeiten nicht mehr zu erfüllen waren, indem sie neue Einrichtungen schuf, die ihre Bcwährnng holten aus dem Geiste der Religion und die mit dem Buchstaben oft nur lose, zuweilen garnicht zusammenhingen. Was aber hat Mosel) bezweckt, als er ermahnte, nicht zu mehren und nicht zu mindern? Der Talmud gicbt uns darauf durch einige Bcifpiele eine ganz konkrete Antwort. Er sagt: es ist festgesetzt, daß in den Tephillin vier Rollen mit Schrifstellen sich befinden sollen, daß das Festgewinde am Sukoth aus vier Arten bestehen, daß der Priestersegen aus drei Segensformcln bestehen solle; wenn nun einer auf den Gedanken käme, fünf Rollen in die Tephillin zu legen, oder fünf Pflanzenartcn in den Feststrauß zu winden oder vier Formeln beim Pricstersegeu anzuwendcn, dann versündigt er sich gegen das Gebot: Du sollst nicht vermehren; im entgegengesetzten Falle verstoßt er gegen die Satzung: Du sollst nicht vermindern. Also nur gegen den Eigensinn, der wider die allgemeine Satzung sich auflehnt, der um jeden Preis gern etwas Besonderes für sich haben möchte, um auffällig sich von den Uebrigen zu unterscheiden, gegen diesen gefährlichen Feind religiösen Lebens wendet sich das Mosiswort. Nicht für alle Zeiten die Entwicklung des Judenthums hemmen wollte der weise Meister; denn dazu genügt nicht, daß Gott unvcräuderllch rs!, auch das israelitifchc