Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 160)
- Language
- German
- Belongs to
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36 wichtigen, sondern sie olle in gleicher Weise mit gleicher Treue befolgen. Wir lönnen freilich nicht leugnen, da׳? zur Entfaltung des sittlichen Lebens, zur Errichtung des Reiches Gottes das Gebot, die Eltern zu ehren, weit notbwendiger als manches andere ist, aber entbehrlich ist keins, darum sollte keins geringgeschätzt und vernachlässigt werden. In einem stattlichen Hanse sind vielleicht die am köstlichsten geschmückten Räume die Staatszimmer, die nur selten geöffnet werden: sie sind, trotzdem sie die theuersten sind, wohl an! ehesten zu entbehren, aber all die Zimmer, die einfachen und glänzenden, haben ihren Werth und gehören zum Ganzen eines wohnlichen und gastlichen Hauscs; so giebt es glänzende und schlichte Tugenden, Thaten des Heroisinns, die selten von uns gefordert werden, und Werke treuer Arbeit, die täglich zu leisten sind, wer wahrhaft im Geiste Gottes lebt, versäumt weder die großen noch die kleinen Pflichten. Das ist, was die Schrift lehrt: Jedes Wort, das ich Euch gebiete beobachtet es zu thun. Aber was mm folgt, scheint die Religion zu einem Zustande der Starrheit zu verurthcilen, Starrheit aber ist Tod, und Religion ist Leben und Bewegung. Es heißt: ״Du sollst daran nichts vermehren und nichts vermindern." Die Geschichte des Jndenthums zeigt uns in Wahrheit, daß das Jndenthunr Umwälzungen׳ zu bestehen hatte, bei der viele in der heiligen Schrift verzeichnete Gebote geopfert worden sind. Ein weiser Meister hat 61 ■ Gebote und Verbote aus der Thora herausgezählt: viele derselben galten den Rabbinen als an den Tempel von Jerusalem, viele als an das Land Palästina gebunden und werden jetzt nicht niehr befolgt. Wir lesen die Vorschriften über den Opferdienst, um daraus erbauliche Lehren zu gewinnen, nicht um ihn auszuüben: wir lesen die Gesetze über den Ackerbau und Alles, was daran sich knüpft, um daraus die Weisheit zu schöpfen, wie Moseh sociale Schäden verhütet oder in ihrer schlimmeren Wirkung geschwächt hat; aber wer