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Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 34 (sequence 158)
Language
German
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34 bei weitem nicht so schön und anmuthig, als die kindlichen; dennoch ist die Frucht der Zweck der Blüthe, und die männliche Reise eine bei weitem höhere Stufe als das kindliche Knospen. Wirkt nicht selbst unsere Stimmung, unsere Lebenserfahrung aus unseren Gvttesbegriff zurück! Gewiß, der Mensch soll nicht das Opfer seiner Stimmungen, sondern ihr Beherrscher sein, er soll seinen Berstand klar halten, wenn Trübes aus ihn eindringt, er soll sich nicht blenden lassen, wenn das Licht der Freude ihm hell in's Auge strahlt; aber selbst tüchtige und feste Charaktere sind dazu nur bis zu einem bestimmten Grade fähig. Unsere Erfahrung, je nachdem sie licht oder dunkel ist, giebt ihr Kolorit unserer Gottesvorstellung, denn in dieser Borstellung verdichtet sich gleichsam unser ganzes Denken und Empfinden, und wer ein rechter Menschenkenner ist, der braucht nur zu hören, wie einer über Gott denkt, und er kann sich ohne Schwierigkeit ein Bild von dem ganzen innern Leben des betreffenden Menschen machen, in seinen Reden über Gott hat er unwillkürlich ein Konterfei seines Selbst geliefert, hat er ein Spiegelbild seiner Seele gezeigt. Aus alledem folgt, daß es eine Geschichte der Religion giebt, nicht nur ihrer äußern Schicksale, sondern ihrer innern Entwicklung. Gott ist unveründerlich, die Thora ist noch heut dieselbe wie vor Jahrtausenden. Dennoch ist das Judenthum in Form und Wesen heute anders wie vor hundert Jahren, ja es wird zumal in unsrer Zeit, wo die nationalen Eigenthümlichkeiten stärker hervortreten, wo jedes Volk Gewicht daraus legt, seine Eigenart energisch auszubilden, auch von den mannigfachen Volksströmungen beeinflußt und trügt in dem einen Lande ein anderes Gewand als in dem andern. Es giebt eine religiöse Partei, welche sich die Orthodoxen nennt, die ihre Aufgabe darin setzt, die religiösen Ueberlieferungen der Väter aufs Strengste bis in die geringfügigste Einzelheit festzuhalten. Aber können diese Leute mit Erfolg sich gegen den Strom der Zeit stemmen? Hat

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