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Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 33 (sequence 157)
Language
German
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V. Die Entn״ckeln«g innrrlfnlb der ReliAio». Predigt am Sabbath ואתחנן. ^Daran sollt ihr nicht mehren und nicht mindern " (V. Buch Mos. 4,2.) M. A.! Wenn Alles auf Erden dem Wandel unterlegen ist, wenn das ganze Dasein einem Strom vergleichbar ist, in dem eine Welle die andere treibt, wenn die Menschheit nie still steht, sondern an jedem Tage säst ein anderes Bild uns zeigt, so ist es natürlich, daß auch die religiösen Vorstellungen in stetem Flusse sind, daß auch das religiöse Denken und das religiöse Leben in verschiedenen Zeiten sich verschieden gestaltet. Gott, der llrqnell mtb der hohe Inhalt aller Religion, ist unveränderlich: er ist erhaben über Zeit und Raum: bei einem Wesen, wo der Begriff des Werdens und Entstehens ausgeschlossen ist, ist auch ein Wechsel und eine Veränderung undenkbar: Gott ist ewig derselbe: aber Gott ist zu groß, um auch von dem Weisesten völlig ersaßt zu werden. Jeder einzelne Mensch bemüht sich, sich zu Gott in ein bestimmtes Verhältnis) zu bringen, und da nicht zwei Menschen sich völlig gleichen, so hat Jeder gleichsam einen anderen Gott, denn so wie der Mensch, so sein Gott. In Jedem von uns wandelt sich sein Gottesbegriss auch je nach den verschiedenen Altersstufen, die er erreicht; das .Siinb hat vielleicht die lieblichste, freundlichste Vorstellung von der (Gottheit, cs ist oft rührend zu beobachten, wie das .Svinb, das die einfachsten Dinge kaum noch fassen kann, sich mit diesem unendlichen allumfassenden Gedanken auseinanderzusetzen sucht, wieGott ansallseinenHimmeln hinabsteigt und sich einbürgcrt in solch einem engen Kindesgemüth. Aber wie die junge Menschenknospe heranreist, so werden auch die Gedanken reifer: die Frucht ist nicht so lieblich wie die Blüthe: so sind die männlichen Gedanken ernster und Sabbmhpredigten. 3

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