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Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 29 (sequence 153)
Language
German
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29 Wir müssen unser Selbstbewnßtscin krustigen an der tiefen Wahrheit, welche unser Textcswort uns lehrt; wir müssen uns durch der Satz, das; des Menschen Witte frei ist, festigen im Glauben an den Adel der menschlichen Natur. Denn diesem Ciiell, welcher den Geist befruchtet, entströmt auch die Tylutl), welche das Her.׳, stärkt mit mannhaftem Math, und welche die Seele labt mit bcu reinsten und edelsten Freuden. Indem wir an diesem Satze unser Selbstbewusstsein erheben, mehren u>ir unser Lebensglück. Denn was wäre das Leben für ein werth- und nutzloser Besitz, wenn der Mensch nichts mehr wäre, als eine willenlose Maschine, wenn er nicht selbst an seinem Glücke schmieden dürste. Einem Jeglichen von uns ist gar manche Freude versagt, und manch schwerer Schmerz ausbewahrt. Wir können dagegen nicht ankämpsen, wir müssen es ertragen. Aber giebt es eine schönere Freude als die über eine vollbrachte gute Dhat, giebt es für den redlichen Brenschen einen tieferen Schmerz, als den, denLocknngen derSlinde sich hingegeben zu haben. Nun, diese Freude braucht deiner zu entbehren, diesen Schmerz deiner zu ertragen. Denn nnsere Seele ist frei und diese Seelenfreiheit führt uns durch Finsternis; und Trübsal, den Tod überwindend und das Leben erleuchtend, zum Lichte und zur Seligkeit. ..Sieh, spricht der Herr, in Deine Hand lege ich Segen und Fluch," — segne Dich selbst und Du wirst gesegnet sein. Aber so Tn Dir fluchen und Dein Leben trüben nullst, die Gottheit, die Dich in's Leben gerufen, sie wird Dich be klagen, aber sie kann Dir nicht Helsen. Bortresslich erzählt der Talmud. Ging einst ein Mann, vielgeseiert ob seiner Weisheit und Einsicht, durch die Hallen einer volkreichen und belebten Stadt, und wo der Berkehr die größten Bolksmassen znsammensührte, blieb er stehen und ries mit lauter, vernehmlicher Stimme: Wer kaust Lebenssaft? Wer kaust Lebenssaft? Die Menge, die den Mann verehrte, horchte erstaunt aus die seltsame Meldung, und jedes (Geschäft feierte und jede Arbeit wurde im Stich gelassen, und Alles eilte dem Manne zu und bat, und bestürmte, und beschwor ihn,

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