Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 152)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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:-MW , v , - ״ -V א *■$;■* .,;■׳; ♦יג< 1' i 28 tn Schmelz und Schunde gewahren wir eine Freudigkeit des Schaffens, eine Heiterkeit des Herzens, eine Ruhe des Gemüths, die uns mit Bewnnderlntg erfüllt. Ein dem jüdischen Stamme entsprossener Künstler nuferer Tage hat mit zartem Perständnig und inniger Liebe im Bilde znsammengesaht den Seelenfrieden, den Frohsinn und die Freude des alten jüdischen Lebens. Diese Gemälde haben das Erstaunen, das Entzücken des Zeitalters hervorgernsen und den Künstler mit tlinhm lind Ehre geschmückt. Uns aber, seine Stammesgenossen, beschleicht tiefe Wchmnth, tvenn mir dieser Bilder betrachten, es dünkt uns, als sei dieses alte jüdische Leben, über tvelches doch so oft die Geige! des Persolgers ist geschwungen rvorden, ein verlorenes Paradies, ans dem wir Versionen sind durch eigene Schuld, als ständen wir am Grab eines lieben Todtell. '״Aber diesen Tobten können wir neu beleben, dieses Paradies können wir wiedergewinncn, so wir lins nur unseres Textwortes erinnern: ״Sie, in eure Hand lege ich Segelt und Fluch." Suchen wir unser Glück an her uns, so sind wir überall eng und beschränkt; der Segen, den die Welt Dir bietet, wie rasch verrinnt und verfliegt er, wie selten bereitet er wahres Glück; aber auch der Fluch, den die Welt wider Dich schlendert, er prallt machtlos ab. tvenn Du gerüstet bist mit der Ruhe, mit der Freiheit der Seele. Segen und Fluch, sie liegen in deinem Herzen. Das begriffen unsere Porsahren, und deshalb setzten sic mit kühnem Mnth und gehalteitem Ernst, wenn es sein muhte, auch die >!rone der Märtyrer auf ihr Haupt. Weil sie die Freiheit der Seele erlangt hatten, spotteten sic ihrer Widersacher, die ihnen die Freiheit des Leibes rauben wollten durch die Gewalt. Der Tod schreckte sie llicht, darum freuten sic sich des Lebens. Jene Bilder aus dem alten, jüdischen Leben erfüllen uns mit Wehmnth, weil wir die reine Heiterkeit dieser änherlich so geplagten und innerlich so beglückten und gesegneten Menschen nicht mehr besitzen, weit wir die Freiheit der Seele vertauscht haben um nichtigen Tand und Flitter; weil wir nicht frei sind, sind wir nicht glücklich.