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Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 27 (sequence 151)
Language
German
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27 Dasein Schmelz und blühende Frische verleiht, fehlt dem, der sich einen Spielball wähnt in der Hand unergründlicher Gewalten. Dieser Glanbe, das wallen wir nicht läugnen, er macht gleichgültig gegen jeden Schmerz und jeden Schrecken: aber diese Gleichgültigkeit ist nicht der Gleichmuth des Weisen, der sich dem Schicksal überlegen weih, es ist vielmehr der dumpfe Sklavensiuu, der es weih, daß er einem unerbittlichen Zwingherren unfehlbar unterliegen muß. Zwischen diesem Glauben und der jüdischen Lehre besteht ein Unterschied, wie zwischen der Verzweiflung, die nichts hasst, und dem Muth, der nichts fürchtet. Dart ein Glaube, der Alles duldet, hier ein Glaube, der Alles überwindet. Gs besteht eiir Unterschied — kein Gleichniß kann ihn völlig erschöpfen — wie zwischen der lichten Freiheit und der finstern Knechtschaft. Die Völker, welche sich jenem düstern Wahn unterwarfen, die da glaubten an ihre eigene Qhnmacht, sie haben Wahl in raschem Rausch, wie van da in attischen Mächten gejagt, große Siege errungen. Aber bald ist ihre Kraft erlahmt, feig und verzagt sind sie dem Kamps, dem ewigen Kamps des Menschen mit der Natur ausgewichen. Die Länder, die einem Garten Gatteo glichen, als sie in dieselben einzogeu, sind jetzt Wüsteneien; die Gesittung ist gesunken, in ihren volkreichsten Städten herrscht zumeist die Ruhe einer Gräberstätte, nur zuweilen van einem wilden ausgelassenen Lärmen unterbrochen, das wiederum mehr dem phantastischen Taumel eines Fieberkranken, denn gesunder Freude vergleichbar ist; ihr Leben ist ein ewiges Sterben. II. Werfen wir von diesem Bild der Verwesung einen Blick auf die Geschichte unseres Stammes; da sehen wir, wie Israel sich so recht als das Volk der Seelensreiheit bewährt hat. Welch ein Gegensatz; sein äußeres Los, wie trüb und schwer, sein Gang durch die Geschichte, wie düster, blutig und trauervoll. Und mitten in diesem Drucke und dieser Qual, mitten

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