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Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 24 (sequence 148)
Language
German
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sich bcm forschenden Weifte aufthnn. Ihr schätzt auch die erhabenen Lehren der Religion und der Weltweisheit gering und dennoch leiten sie allein uns sicher nnd unversehrt aus den Fluthen des Irrthums und der Sünde in den Hafen der Tugend und der Seligkeit. Wir aber wollen diese Mahnung beherzigen und in dieser der Gotteserkenntnis; geweihten Stunde unser Augenmerk richten, auf eine tiefe und beglückende Lehre unserer Religion, welche der eben verlesene Wochenabschnitt sogleich mit seinem Ansangsworten uns verkündet. Der Satz: ראה אנכי. נותן ״ לפניכב היום ברכה וקללהSieh׳ ich gebe in euere Hand heut' Segen und Fluch" — dieser Satz, er lehrt uns, das; der menschliche Wille frei und uneingeschränkt ist. das׳, er zwangslvs sich entscheiden kann, ob er auf dem Pfad des Guten und Gdten zu Gott emporklimmen, oder ob er, den Irrlichtern vergänglicher Freuden folgend, in den Abgrund der Sünde sich stürzen will. Diese Lehre, das; der Mensch allezeit seines Schicksals Meister ist, das; Segen und Fluch in seiner Hand liegen, in ihrem Wesen und in ihren Wirkungen zu begreifen, das sei unsere Allsgabe. Wir werden daraus erkenllen, das; sie vorzüglich geeigilet ist, das Selbstvertrauen zu heben, die Freude am Leben zu iilehreil, aber auch das Gefühl der Selbstverantwvrtlichkeit, das Bewußtsein, daß wir für unsere Thateil einsteheil müssen vor unserm eigenen Geiste und vor Gott, dem allwissendell Richter, dieses Bewußtsein in uns zu schärfen unb zu stähleu. I. ״Siehe, ich gebe vor Euch Segen und Fluch." — Keine Religion spricht so klar, und bestimmt und unziveideutig die Lehre aus, daß der Mensch in freier Wahl sich entscheiden könne zwischen Tugend unb Schnld, zwischen der Sünde und der Seligkeit, zwischen Segen und Fluch. Der Herr spricht zu seiuem Volke: Iu deine Hand lege ich heute Segen unb Fluch, Leben und Tod; du aber wähle das Leben. Kein blindes Schicksal waltet über die Menschen; dieser Gedanke,

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