Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 147)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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23 mütfj nach dem Bilde, welches er non der Gottheit im Bnscn trägt. Sie bleibt für jeden das Ideal und die Richtschnur seines Verhaltens und er verzeiht sich sein eigenes Vergehen leichter, wenn er sein Ideal von ähnlichem Makel entstellt glaubt. Unser Thun und Lassen ist gleichsam ein Spiegelbild unserer Ideen über das höchste Wesen und seine Weltro gierung und vortrefflich bezeichnet unsere deutsche Sprache mit dem Worte ״gottlos/' welches ja eigentlich nur einen Mangel an Erkenntnis; ausdrückt, auch einen Mangel an Charakter und an Sittlichkeit. Eines Abends, so wird erzählt, lustwandelte ein weiser Mann durch die Straßen seiner Stadt und er blickte hinauf nach dent Himmel und seinen Sternen, mit deren Bahnen er wohl vertraut war. Ganz versunken nun in die Betrachtung dieser Herrlichkeit achtete er nicht des Wegs, den er aus Erden wandelte; er strauchelte und fiel zu Boden. Da höhn ten ihn seine Mitbürger und sagten: Sehet den überweisen Mann, der am Himmel besser Bescheid weis;, als in den Strafeen seiner Vaterstadt. Glcichmüthig ertrug er den Spott und ging von dannen. Einige Zeit daraus, war er mit mehreren seiner Landsleute aus einem Schisse und der unvorsichtige Leiter desselben führte es hinaus in die weite See, und aus ihren überall gleichen Fluten verlor er den Pfad, der heimwärts führte. Kaum hat er dies den Insassen des Schiffes entdeckt, so übersiel sie alle eine tödtliche Angst. Alle — mit Auonahme unseres Weisen. Dieser blieb ruhig und heiter und ein Lächeln schwebte aus seinen Lippen. Da fragten sie ihn, warum er gleichgültig und gelassen sei in der allgemeinen Noth. ״Sehet, sagte er, damals, da ihr meiner spottetet, da prägte ich meinem Geist den Wandel der Sterne ein, die jetzt uns heimwärts leuchten werden, wenn ihr mir die Leitung des Schisses überlassen wollt." Gern waren sie ihm willfährig und er führte sie wohlbehalten zurück. Als sie nun dankerfüllten Herzens ihm zu Füßen stürzten, sprach er: ״Dies eine Ereigniß möge euch belehren, wie nichtig eure Alltagsweisheit ist gegenüber den ticfern Erkenntnissen, welche