Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 142)
- Language
- German
- Belongs to
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18 2. Die zweifache Strafe. Jerusalem war die Hauptstadt des Landes und der Mittelpunkt des religiösen Lebens durch seinen dem Dienste des Einig-Einzigen einzig geweihten Tempel. Ein Gott und Ein Heiligthum! war die Borschrift des Gesetzes. Alle andern Dienststätten waren allmählig dem einen Zentral- Heiligthum in Jerusalem gewichen. Mit der Zerstörung Jerusalems veilor nicht nur das Land seine Hauptstadt, sondern auch das Ncligionsbekeuntuis; seinen einigenden Mittelpunkt, und insofern das religiöse Leben der Grund war, auf dem allein im israelitischen Volke alle Festigkeit und alle Widerstandskraft beruhte, ging mit der Zerstörung Jerusalems alles unter, woran sonst ein Volk beim Zusammenstürze seines Staates sich anklammert und gegen Verzweiflung eine Stütze findet. Zweifache Strafe traf Jerusalem: ״es empfing aus der Hand des Ewigen zweifach gleich ihren Sünden". II. 3. Der zweifache Troft. Was ist Trost? Ist Troll eine Salbe, die die Wunde heilt; Arznei, die die Krankheit hebt? Nein! Beim Trost bleibt das Unglück bestehen, gegen tvelches man Trost spendet; der schönste und wirksamste Trost ist freilich die Hilfe, die das trostbcdürftige Unglück beseitigt. Aber auch, wo keine Hilfe möglich ist, ist der Trost eine Wohltbat für die trauernde Brust. Wenn dein Herz um den unabänderlichen Verlust eines theuren Hauptes in Trauer versunken ist, wie wöhlthätig wirkt da das rechte Wort des Trostes. Was wirkt, was ist der Trost? — Der Trauernde eoneentrirt seine Anfmerksamleit auf das Unglück, das ihn betroffen, den Verlust, den er erlitten. Fesselt etwas Anderes seine Aufmerksamkeit, so ist er schon getröstet, so lange seine Aufmerksantkeit von dem Andern gefesselt ist. Aber der Trauernde läßt seine Aufmerksamkeit nicht von dem Objekt seiner Trauer sich lösen, nicht freiwillig.