Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 131)
- Language
- German
- Belongs to
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n « stehen lassest, willst Du denn wirklich behaupten, daß Du genau um so viel besser bist denn Dein Nächster, als Du glücklicher warst? Wie viel reiner, edler, braver ist oft ein ganz unbeachteter Mensch, als derjenige, dem es gelungen ist, viel Geräusch von sich zu machen! Frage Dich sebst, kannst Du Dir Gott anders denken, so Du eine Vorstellung von ihm hast, die eines Israeliten würdig ist, als ein Wesen, das Dich nicht mehr schätzt ob Deiner Gaben und ob Deiner Handlungen? Wie viel von unserem Hochmuthe geht uns verloren bei einer redlichen Selbstprüfung! Wie finden wir in uns denselben Mein: zu Fehlern, die wir an Andern tadeln, und vor deren Emporkommen uns nur ein günstiges Geschick geschützt hat. Ist das der Tank, den wir dem Herrn dafür abstatten, daß er uns ins Gnaden bewahrt hat vor dem Geschicke, in das mancher unserer Brüder, mancher vielleicht einst vielversprechende Mensch, gefallen ist, daß wir hochmüthig über ihn wegsehen, als sei es leere Lust, und nicht eine mit denselben Gefühlen, mit demselben Bedürfnisse nach Glück und nach Geltung ausgestattete Menschenseele? Darum lehre uns die Erinnerung, die wir heute begehen, den Satz unserer Alten schützen: ״ אל תהי בז לכל אד־םVerachte keinen Menschei:", darum erfülle die Verordnung an uns ihren Zweck, indem sie uns vergegenwärtigt, was ein mittelalterlicher Dichter von ihr sagt: קצובה היא ואת לשרצים וקלים, קצינים וי־שים יהה כה ״ שקולים, קצין לבל יעז מול מקהלים, וכי'Bestimmt ist sic für Arm und für Reich, Herren und Dürftige in ihr gleich, das der Mächtige nicht über Gebühr sich erhebe, als ob allein und selbstgenug er sich lebe". 3. Aber, m. A.! so sehr das Gebot uns an die Gleichheit der Menschen erinnert, es erinnert uns auch zugleich, wo und wann wir sie vorzugsweise geltend machen sollen. Da giebt es Menschen, die wo es sich um Rechte und Ehren handelt, bereit sind, gleich zu sein den Edelsten und Besten, wo es sich um Pflichten und Leistungen geht, nicht gleichen Wetteifer bekunden. Da frommt aber alle Lehre von Gleichheit nichts, wo wir selbst es nicht über