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Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 5 (sequence 129)
Language
German
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5 Wie wir es nun anznfangen haben, um so zu wirken, daß wir trotz aller dieser Verschiedenheiten dennoch nützen? Uns zunächst nur die Frage vorlegen: Lieben wir diese Gesammtheit mit ihren lobenswerthen und mit ihren tadelnswerthen Eigentümlichkeiten, oder lieben wir uns nur s e l b st? Wollen wir wirklich ihr nützen, oder wollen wir blos die Befrkedigung, daß unser Eigenwille sich durchsetze, daß unsere Meinung Gesetz werde. Bringen wir bei ernster Prüfung heraus, daß wir im Grunde mit unserem Sinnen und Trachten, mit unserem Leben und Denken uns dieser Gesammtheit und ihren Zwecken völlig entfremdet haben; bringen wir heraus, daß im Grunde für uns persönlich jede Entwicklung, die diese Gesammtheit nimmt, gleichgiltig ist. weil wir zu ihr nur ein äußerliches Berhältniß haben: so sollten wir uns überhaupt enthalten, an ihrer Entwickelung zu arbeiten, so sollen wir ihr überhaupt weder nützen noch schaden wollen, ׳ weil wir auf fremden Boden stehen. Entdecken wir aber in uns die noch nicht erloschene Flamme der Liebe, der Liebe zu jedem Träger der Gottcsidee, selbst in der durch der Zeiten Unbill entstelltesten Gestalt, haben!vir wie Moses, durch glänzende äußere Verhältnisse und durch glänzende Entfaltung der Geisteskräfte unbeirrt, noch den warmen mitleidigen Sinn für die Brüder, sie mögen noch so sehr in Knechtsgestalt einhergehen, sie mögen noch so sehr in ihren Verhältnissen oder in ihren Anschauungen zurückgeblieben sein, dann dürfen wir getrost Hand anlegen, dann dürfen wir mitarbeiten an der Entwicklung der Gesammtheit. Denn dann wird unserem Wirken nicht fehlen der Geist der Milde und der Geist der billigen Rücksichtnahme, denn dann werden wir nicht gestalten, wie es uns, und uns allein angemessen und recht erscheint, sondern wie es der Gesammtheit frommt. Und was von der Gesammtheit gilt, gilt auch von jeder einzelnen Gottesgcmeinde. Es ist ein Segen, wenn in ihr mannigfaltige Ansichten und Meinungen zum Vorschein kommen, es zeugt von keinem frischen Leben, wenn in ihr Nichts weiter

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