Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 121)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9617889-9617890--1964-9618007- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
61 hin: ״wie denn sollte ich nicht gern die Frucht irdischer Arbeit opfern ans dem Altäre göttlicher Liebe'? Es müßte ja weinen dann die Erde, daß sie mir die Saat hervorgebracht, die Furchen des Ackers mußten in Thranen überströmmen, wenn ich mein Feld so schlecht bestellt hätte, innerhab der Segnungen zeitlichen Seins des ewigen liebenden Vaters des Weltalls nicht zu gedenken und derer, die der Gott der Liebe an meine Barmherzigkeit gewiesen " (Tanchuma Reell.) Nur in der Wechselseitigkell von Geben und Empfangen äußert sich Menschenliebe, die in der Liebe zum Allgütigen ihren Ursprung hat, der ja alle Menschenkinder in seinem Ebenbilde schuf; hat dich, m. Br., der Allgütige gesegnet mit dem Fett der Erde, bedenke, daß der Thau vom Himmel kam, den Boden zu befruchten. Schwingst du die Sichel über die reich und voll aufgegangene. Saat, weihe die ersten Garben auf dem Altäre des Herrn, auf welchem die Liebe sich ent zündet zu Gott und Menschen. Aus irdischen Blumen und Früchten himmlische Kränze zu flechcen, um Gott beliebt zu fein, den Menschen angenehm und jegensreich — hierin liegt Israels Ideal. Dieses Letztere bildet den Inhalt und die Weihe des Omergesetzes. Laß nur immer das Laibbrod rollen, die That der Milde die Wanderung machen von Menschen zu Menschen. Israel, in Deiner Hochherzigkeit liegt Deine Macht. Midjan wird entwaffnet durch die Waffe Deiner Wohlthätigkeit. Möchte auch unseren Glaubensgenossen im großen Nachbarreiche, das täglich sich immer mehr ver> finstert, wo sie ihrer Ideale wegen schwer leiden, bald Hilfe kommen; die That der Liebe und Barmherzigkeit für unsere verfolgten Brüder ist das blitzende Schwert, das in der Nacht der Leiden die Rettung vom Feinoe bedeutet. Denn der Morgen, m. A., wird nahen, an dem die Gnade des Allgütigen, des gerechten Vaters im Himmel, die Unglücklichen erlösen wird.